Leserbrief

Saisonstart am Pass Thurn - zwischen den Fronten

Um dies gleich zu Beginn herauszustreichen, meine ich damit nicht den Saisonstart am Pass Thurn im Allgemeinen. Allerdings verhärten sich auf beiden Seiten (Gegner/-innen und Unterstützer/-innen) zunehmend die Fronten.

Wie "Addendum" richtig hervorhob, handelt es sich bei der nun geschaffenen Piste um Schnee aus dem Vorwinter. Dieser Schnee wurde konserviert und wird natürlich heuer eingesetzt. Die Unterstützer/-innen finden die jetzige Eröffnung super, die Gegner/-innen sehen darin beinahe ein Verbrechen, welches sich gegen die Natur richtet. Diese beiden Lager werfen sich gegenseitig vor, den Ruf der Region zu schädigen, oder beschimpfen sich gar? Aber muss das sein? Ich glaube nicht!

Ein meiner Meinung nach berechtigter Kritikpunkt ist die Ausbringung des Altschnees zu diesem Zeitpunkt, da in der Folgezeit, um die Piste in diesem Zustand zu halten, mehr Beschneiungen nötig sind, was wiederum einen erhöhten Einsatz von Wasser und Energie bedingt. Ein Argument der Touristiker und Befürworter, dass diese Aktion die Nächtigungszahlen erhöht und wir vom Tourismus leben, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Zudem wird auf die notwendigen Trainings für Spitzen- und Breitensport verwiesen. Wo liegt nun die Wahrheit? Ich würde sagen auf beiden Seiten.

Dieses Beispiel zeigt aber erschreckend, dass viele Menschen in Österreich und unserer Region nicht mehr bereit dazu sind, andere Meinungen zu akzeptieren und über diese unterschiedlichen Meinungen auch gesittet zu diskutieren. Natürlich ist der Tourismus unsere Haupteinnahmequelle, trotzdem dürfen Vorgänge kritisiert werden - ein Kernelement der Demokratie. Unternehmen, egal wie groß und wichtig sie für eine Region sind, müssen kritikfähig bleiben. Aber auch die Gegner/-innen dieser Eröffnung müssen meiner Meinung nach die Argumente der Bergbahnen akzeptieren, auch wenn sie sie nicht gutheißen - immerhin passiert alles mit Bewilligungen.

Die absolute Wahrheit hat niemand und keine Seite für sich gepachtet und zu dieser Überzeugung sollten wir auch zurückkehren: Andere Meinungen zulassen und aus den unterschiedlichen Sichtweisen unsere Schlüsse ziehen. Wer nur bei "den Anderen" nicht nachvollziehbare Denkmuster sieht, hat sich wohl zu wenig mit sich selbst beschäftigt.

Felix Germann, 5730 Mittersill

Aufgerufen am 29.11.2021 um 12:54 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/saisonstart-am-pass-thurn-zwischen-den-fronten-78433333

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