Leserbrief

Salzburger Straßennamen

Zum Leserbrief "Churfürststraße muss bleiben" (SN, 1. September): Laut Franz Martins Werk über die Salzburger Straßennamen (4. Aufl., S. 46) erinnert die Churfürststraße nicht an eine vergessene politische Institution, sondern an eine historische Persönlichkeit, nämlich an den Kurfürsten Erzherzog Ferdinand, den Bruder des Kaisers Franz II./I., der unter dem Diktat des französischen Imperators Napoleon I. 1803 das säkularisierte ehemalige Erzstift Salzburg erhielt, das er 1805 gegen das neu geschaffene "Großherzogtum" Würzburg vertauschen musste. Erst nach dem Sturz Napoleons 1813 konnte Ferdinand wieder zurück in die Toskana. Im Gegensatz zu seinen standesgleichen Zeitgenossen war Ferdinand ein Freund des Zivilen, der Künste und Wissenschaften und gründete unter anderem an der Universität eine medizinische Fakultät (siehe Biografie von Dieter Schäfer, Graz 1988).

Der Historiker kann ihm nichts nachsagen, was den Verlust seiner Salzburger Memoriae rechtfertigen könnte. Lebte Univ.-Prof. Dr. Peter Putzer noch, könnte hier noch vieles zu Ferdinands Bedeutung angeführt werden. In unserer Bundeshauptstadt sind meines Wissens alte Straßen- und Platznamen im 1. Bezirk tabu, sonst würde der wichtige Ballhausplatz seit Gründung unserer Republik schon etliche Male umbenannt worden sein. Der unvergessene Kanzlerhumanist Dr. Kreisky meinte einmal in einer Pressekonferenz: "Lernen Sie Geschichte!" Ist an dem dictum nicht etwas Wahres dran? Mit besten Grüßen, Ihr Abonnent


Prof. Dr. Adolf Hahnl, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 27.09.2020 um 12:49 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/salzburger-strassennamen-92589358

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