Leserbrief

Salzburger Verkehrsproblematik

Mein ganzes Berufsleben, und ich bin jetzt im 80. Lebensjahr und schon einige Zeit in Pension, verbrachte ich in der Getreidegasse und ich weiß über was ich hier schreibe.
Bis Mitte der 50er Jahre gab es hier keine Verkehrs-Probleme, nur ein paar stinkende Holzgaser-LKWs und uralte O-Busse mit Anhänger und man konnte, wenn man schon einen PKW hatte, mit diesem über die Staatsbrücke kommend, rechts und ein paar Meter danach links durch den "Löchlbogen" in die Getreidegasse fahren und dort vor dem Handels- oder Handwerksbetriebs (ja, die gab´s damals dort noch) parken. Nachmittags wiederholte sich das Ganze.


Als auch in Österreich das Wirtschaftswunder zu spüren war, sich fleißige Menschen einen PKW leisten konnten und auch aus dem zuerst mitteleuropäischem Raum Urlaubsgäste mit privaten PKWs und auch Bussen kamen, ergab das noch kein großes Verkehrsproblem. Man suchte aber schon nach Lösungen, um die Altstadt möglichst autofrei zu halten. Da spielten aber dann viele Salzburger und auch Gäste nicht mit. Sie wollten ihren Kaffee oder ihr Bier in einem Lokal der Altstadt genießen und davor ihre PKWs, welche ja immer größer wurden, abstellen.
Diese Lösungen waren und sind bis jetzt: Blumentröge, grober Schotter in Behältnissen aus Baustahlgitter, Schranken, private Überwachungsdienste und wurden jeweils von der folgenden Stadt-Regierung wieder entfernt. Die letzte Lösung sind die Poller, werden aber auch von vielen einfach ignoriert.
Derzeit ist das Neutor das große Thema.
Ich bin ganz klar für eine Sperre. Der Großteil der Kaufmannschaft liegt falsch, wenn sie meinen, sie könnten mit Vorbeifahrenden das große Geschäft machen. Es gibt in der Altstadt kein Geschäft mehr, wo man zum Wegtragen des Gekauften ein Auto braucht. Man kann alles was es dort noch gibt, in einem Handtascherl oder Einkaufs-Sackerl wegtragen.
Die Zeiten in denen man dort Möbel, Matratzen, Bettwäsche, Werkzeug, Nägel, bekommen konnte, sind vorbei, seit die großen Einkaufszentren am Stadtrand entstanden und dort jetzt die Einheimischen alles bekommen.

Die internationalen Mode-Labels, welche sich hier mittlerweile um horrende Mieten in herausgeputzten Altstadthäusern angesiedelt haben, sind für den überwiegenden Teil der Salzburger/-innen keine Option und ich verstehe sogar diese Erben-Generation, wenn sie ihre geerbten Immobilien verkauft haben oder eine gute Miete dafür kassieren.

Zur beabsichtigten Neutor-Sperre noch eine Anmerkung:
Zeitlich ist es egal, ob vor oder nach einer Wahl. Ich meine aber, für die SPÖ wird es leider ein Schuss ins Knie werden, weil die überwiegenden Salzburger Autofahrer werden nach dieser Ankündigung ÖVP wählen.


Horst Wizani, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 28.10.2020 um 10:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/salzburger-verkehrsproblematik-66309862

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