Leserbrief

Salzburgs braune Straßennamen

Zum Bericht in den SN vom 17. Februar 2020 über Namen von etlichen Straßen und Plätzen in Salzburg, welche durch Personen aus der NS-Zeit belastet sind und geändert werden sollen: Was soll man dazu sagen, natürlich sind diese Personen belastet, denn das waren sie in langen Zeitabschnitten ihres Lebens, weil sie das Pech hatten, in dieser Generation geboren zu sein. Nach dem unseligen ersten Weltkrieg waren sie belastet mit den Unbilden der Zwischenkriegszeit, dann erst recht nach dem Anschluss und den folgenden Kriegsjahren, welche sie mitmachen oder durchstehen mussten. Nun sind sie sogar noch nach ihrem Tod belastet, weil sie sich einmal auf einem Irrweg begaben oder sich aus Existenzgründen arrangiert hatten und nicht den Mut und die Größe aufbrachten, wie einige Auserwählte, die sehenden Auges aufrecht in den meist sicheren Tod gingen mit den anderen Opfern, die ohnehin keine Wahl hatten. Belastet damit, in dem ihre besonderen Leistungen in der Gesellschaft, welche sie wohl einmal erbracht hatten, sonst wäre ihnen diese Ehre ja gar nicht zugekommen, aberkannt werden. Beim belasteten Herbert von Karajan war das anscheinend doch nicht opportun, aber immerhin weiß man, dass er die Karriere in Nazideutschland begann, wenn man seine Gedenktafel gelesen hat. Also dann, wer wirft den ersten Stein?


Rudolf Rieß sen., 5204 Straßwalchen

Aufgerufen am 29.11.2021 um 03:16 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/salzburgs-braune-strassennamen-83744452

Kommentare

Schlagzeilen