Leserbrief

Saufen bis zum Abwinken?

In den Medien - ob TV oder Printmedien - wird fast wöchentlich über die Auswirkungen des Alkoholkonsums in Österreich berichtet. Die Meldungen reichen von Autounfällen mit mehr oder weniger schweren Folgen einerseits bis zu Prämierungen für Schnapsbrenner auf der anderen Seite. Österreich zählt zu den Ländern in Europa, in denen am meisten Alkohol getrunken wird. Der Verein "Alkohol ohne Schatten" von Prof. Musalek veröffentlicht auf der HP folgende Zahlen: in Österreich gelten etwa 340.000 Menschen als alkoholkrank und 735.000 konsumieren Alkohol regelmäßig und in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß. Das heißt jede/r 10. Österreicher/-in ist von Alkoholkrankheit betroffen - in fast jeder Familie gibt es einen Fall von Alkoholsucht. Der Gesetzgeber reagiert darauf und verschärft bzw. vereinheitlicht das Jugendschutzgesetz. Jetzt dürfen Jugendliche in ganz Österreich bis zum vollendeten 18. Lebensjahr keine harten alkoholischen Getränke konsumieren. Mit 1. April dieses Jahres ist das Gesetz in Kraft getreten. Man könnte fast das Gefühl haben, dass es sich um einen Aprilscherz handelt, denn es ist scheinbar nichts leichter für Jugendliche, als an Spirituosen zu kommen. Mit gefälschten Ausweisen oder mit Hilfe von Freunden, ja sogar der Eltern werden harte Getränke gekauft, damit die Party steigen kann. Es ist kein Problem, wenn Jugendliche in einer Zeitung ein Interview geben, in dem sie "zugeben", dass sie beim Vorglühen Gin usw. trinken, das gehört ja dazu, von den Trinkspielen mal ganz abgesehen. Wird also in diesem Fall das Übertreten der Gesetze als Kavaliersdelikt gesehen? Erwachsene sagen dann dazu, bei uns war es auch nicht anders, ... und erzählen mit glänzenden Augen von ihrem ersten Vollrausch. Alkoholsucht ist eine Krankheit und dafür gilt es geeignete Präventionsmaßnahmen zu treffen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck usw. ist uns allen klar, dass man früh genug etwas unternehmen muss. Warum gelingt uns das beim Alkohol nicht?
Die Frage bleibt, wie Jugendliche den richtigen Umgang mit Alkohol lernen sollten, das Verschärfen von Gesetzen, die ohne Weiteres augenzwinkernd übertreten werden können, wird wohl nicht der richtige Weg sein.

Mag. Gudrun Mittermüller-Seeber, 5730 Mittersill

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