Leserbrief

Schutz der älteren Generation

Ich kann es nicht mehr hören! Jeder spricht vom Schutz der alten und kranken Menschen, keiner sagt, was er darunter meint. Und diejenigen, die es betrifft, werden nicht gefragt!

Ich bin 70 Jahre alt, gehöre also laut Definition zu diesen schützenswerten Menschen und merke immer mehr wie diskriminierend sich die Menschen hinter dieser Floskel "alte und kranke Menschen sollen geschützt werden" verhalten.

Dieses Verhalten fängt so an: Das Telefon läutet, ich hebe ab und am anderen Ende der Leitung meldet sich ein Umfrageinstitut. Der Mitarbeiter meldet sich freundlich mit Namen und bittet für eine Umfrage um ein wenig Zeit. Man gibt ebenso freundlich zu verstehen, dass man gerne für eine Umfrage zur Verfügung steht.

Dann kommt die entscheidende Frage: Gehören Sie zur Altersgruppe der 20 bis 50-Jährigen. Ich verneine, worauf der freundliche Frager sich bedankt und meint, dann passe ich nicht zur Fragegruppe. Warum wird mir hier sofort unterstellt, dass ich zu der betreffenden Umfrage nichts zu sagen habe, bevor mir hier auch nur die erste Frage gestellt wurde? Darf ich als älterer Mensch keine Meinung zu vermeintlich modernen Themen haben?

Die Gesellschaft unterstellt mir, dass ich dafür kein Interesse zu haben habe und daher auch nicht mehr mitreden darf. Und dieser Gesellschaft fällt zum Schutz der alten und kranken Menschen auch nichts anderes ein, als sie wegzusperren und sie von "geschultem Personal" versorgen zu lassen. Ein Armutszeugnis! Viele jüngere Menschen wollen ganz einfach nicht die Älteren und Kranken dabei haben und am Leben teilnehmen lassen. Wir brauchen mehr Solidarität zwischen den Generationen und das fängt schon bei solchen Telefonumfragen an, dazu braucht es nicht erst eine Corona-Pandemie, die uns das sehr deutlich vor Augen führt.

Elisabeth Weis, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 29.11.2020 um 09:32 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/schutz-der-aelteren-generation-92597065

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