Leserbrief

Schweigen der Kirche

Immer mehr Menschen bedauern das beharrliche Schweigen der Kirchen. Sie vermissen hoffnungsvolle, zukunftsorientierte Worte zur aktuellen Situation mit den für viele Menschen großen Herausforderungen, Ängsten, lebensbedrohlichen Auswirkungen und der dadurch zunehmenden Hoffnungslosigkeit. Sie erwarten sich nicht nur einen für Geimpfte und Nichtgeimpfte zum Nachdenken anregenden Beitrag, sondern vor allem Gedanken, Einladungen und Forderungen dazu, was wir in unserem persönlichen Leben und in der Gesellschaft verändern sollten, um hoffentlich bald zu einem neuen, zukunftsorientierten Leben ohne Corona aufbrechen zu können. Denn für viele Menschen ist es unverständlich, wenn bereits wieder lautstark eine Steigerung des Wirtschaftswachstums, die Reduzierung von Sozialleistungen, die ablehnende Haltung Asylsuchenden gegenüber gefordert und dringend erforderlichen Maßnahmen gegen die Klimakrise abgelehnt werden bzw. nichts unternommen wird, um endlich mehr Verteilungsgerechtigkeit zu schaffen oder der bestehenden Notlage und schlechten Bezahlung in den Care-Bereichen entgegen zu wirken. Diese "unmenschlichen Zukunftsperspektiven" bedeuten für sie ein "Zurück auf das zerstörerische Niveau vor der Pandemie und darüber hinaus". Welchen "Geistern" fühlen sich die Kirchen verpflichtet, dass sie sich diesen drängenden Fragen gegenüber so schweigsam verhalten? Die hoffnungsvollen Botschaften von Jesus wären doch eine lebensspendende Quelle und Orientierung für unsere Bischöfe als Repräsentanten und Verantwortliche der Kirchen - und nicht nur für uns einfache Christen.


Hans Riedler, 4040 Linz

Aufgerufen am 20.01.2022 um 01:10 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/schweigen-der-kirche-113307778

Schlagzeilen