Leserbrief

Seenotrettung im Mittelmeer

Als ich die Stellungnahme des neuen Ministers Anschober zur Frage der Seenotrettung hörte, war ich erleichtert und betroffen zugleich: Erleichtert, dass ein Minister unserer Bundesregierung mutig zur Würde jedes Menschenlebens steht; so deutlich; auch im Fernsehen! Betroffen, weil ich dem Bundeskanzler Kurz in dem Punkt mehr Christlichkeit zugetraut hätte. Ich frage mich: Wie kann man einfach wegschauen, wenn Menschen in Not alles riskieren, um endlich ein menschenwürdigeres Leben erwarten zu können, und dann nur mehr "ersaufen" und sterben müssen?! Natürlich verstehe ich den Bundeskanzler, dass wir nicht das Geld-Handwerk der Schlepperbanden fördern dürfen; und dass wir nicht die "halbe Welt" aufnehmen können. Aber "einfach" 10, 20 oder 100 … Menschenleben untergehen zu lassen, kann nicht unsere Lösung sein. Schon gar, wo so viele Helfer Großartiges leisten möchten.

Ich helfe jetzt schon das vierte Jahr, dass Flüchtlinge die deutsche Sprache erlernen. Dabei habe ich schauerliche Einblicke bekommen, welche "Krimis" manche von ihnen durchgemacht haben, bis sie endlich bei uns gelandet sind. Und mir kommt die "Ganslhaut", wenn ich z.B. jenen Afghanen, der zwei Kinder und seine Frau zurücklassen musste, bei diesen "Untergegangenen" sähe. Er ist gerettet worden. Und soll nun bei uns "Mensch" sein dürfen.


Mag. Richard Schwarzenauer, Pfarrer i.R., 5400 Hallein

Aufgerufen am 18.09.2020 um 03:12 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/seenotrettung-im-mittelmeer-83033314

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