Leserbrief

Seien wir bildungsverliebt!

Ich darf besonders herzliche, nette und offene junge Menschen begleiten. Täglich "treffe" ich jetzt meine 15- bis 18-jährigen Schüler/-innen per Videoschaltung. Gespenstische Stille der geschlossenen Mikrofone. Die Gesichter wirken jeden Tag etwas bleicher in den Zimmern vor den Bildschirmen. Manche haben wenigstens eine Katze am Schoß, um ein wenig Leben zu spüren. Das, was Schule zu einem Ort wirklicher, echter, lebendiger Bildung macht, findet für unsere Jugendlichen nicht statt. Ich meine damit vor allem Herzensbildung, Charakterbildung, kulturelle, musische und spirituelle Bildung, sprich: Menschenbildung.

Was sagt uns moderne Gehirnforschung? Erst wenn uns etwas berührt, begeistert, wenn etwas "unter die Haut geht", wird es unser Leben bestimmen. Nur dann wird es uns bilden. Schon unter "normalen" Umständen ist zu befürchten, dass diese grundlegende Erkenntnis selten eine praktische Umsetzung erfährt, um wie viel weniger jetzt? Bildung ist nicht nur für Kultur- und Bildungsverliebte als Randthema wichtig, Bildung ist Rettung besonders unserer Kinder und Jugendlichen. Bildung ist - gerade jetzt - von dringlichster, lebensdienlicher Bedeutung für uns alle!

Das Gebot der Stunde also: Schulen jetzt öffnen bzw. offen halten, die Matura 2021 anpassen. Aber vor allem: Schule neu denken und versuchen umzusetzen. Mögen wir in dieser und durch diese Krise zu einer Form von Besinnung auf einen gemeinsamen, menschenwürdigen Weg finden!

Prof. Mag. Norbert Brandauer, 5321 Koppl

Aufgerufen am 28.11.2020 um 08:06 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/seien-wir-bildungsverliebt-95534923

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