Leserbrief

Seltener Käfer lässt sich nicht aussiedeln

Zum Leserbrief von Helmut Hintner vom 5. Oktober:

Notwendig ist in Leserbriefen sachliche Richtigkeit. Vor der Ausarbeitung von Großprojekten ist es zwingend notwendig, gutachtlich eine Erhebung von EU-weit geschützten Tieren durchzuführen. Offensichtlich bestehen hier Mängel in der Projekterstellung für die Tunnelpläne im Flachgau. Ebenso notwendig ist es aber auch für die Landesregierung, endlich landesweit alle geschützten Arten zu kartieren und, soweit nicht geschehen, auch die notwendigen Schutzgebiete auszuweisen.

Das leider "übersehene" Steinkrebsvorkommen hat nicht zur Abänderung des Tunnelprojektes selbst geführt, sondern nur zur Suche nach einer Deponiefläche an einem weniger naturnahen Standort.

Der uralte "Ephemere Tümpel am Krauthügel" mit seinen weltweit einzigartigen Wimpertierchen wurde 2012 als Schutzgebiet ausgewiesen, die dort lebenden weltweit einzigartigen Wimpertierchen wurden schon viele Jahre zuvor vom hochverdienten Salzburger Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Foissner (1948-2020) entdeckt und publiziert. Das Mönchsberg-Garagenprojekt dagegen wurde erst nach 2014 entwickelt, es hat selbstverständlich das Schutzgebiet zu berücksichtigen.

Niemals "gelang" es einem einzelnen Biber, "um ein Haar" das Salzachkraftwerk Lehen zu verhindern, die Aussage im Leserbrief ist unrichtig (siehe auch salzburgwiki, Beitrag über den Biber). Die damaligen Erhebungen rund um den Biber an der Salzach sind mir gut bekannt.

Den Bürgerinitiativen zu empfehlen, geschützte Tiere einfach auszusiedeln, schlägt dem Fass den Boden aus. Gerade die seltenen Tierarten benötigen einen hochkomplexen Lebensraum. Eine solche Aussiedlung ist fachlich reinste Utopie.

Dr. Reinhard Medicus, Biologe, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 17.10.2021 um 12:54 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/seltener-kaefer-laesst-sich-nicht-aussiedeln-93812782

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