Leserbrief

Seriöse Medien müssen sich von Provokation distanzieren

Unter dem Titel "Meinungfsfreiheit darf auch verstören" (SN 9.11.2020) bricht Andreas Koller eine Lanze für die Meinungsfreiheit. Diese steht nach unserem demokratischen Verständnis selbstverständlich außer Frage. Bei den Mohammed-Karikaturen handelt es sich aber nicht um das Vertreten einer Meinung, sondern um eine bewusste Provokation und Verletzung religiöser Gefühle unter dem Titel "Freiheit der Kunst". Freiheit der einen Seite geht immer zu Lasten einer anderen Seite. Die "Freiheit der Kunst" ist ein Freibrief für alles und jedes, was der jeweilige Autor eben als Kunst erklärt. Andreas Koller findet die Mohammed-Karikaturen zwar "geschmacklos, schlecht und künstlerisch wertlos", verteidigt deren Veröffentlichung aber mit den bekannten Ausspruch Voltaires "Ich bin nicht einverstanden, mit dem was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten kämpfen, dass Sie es sagen dürfen." Dieses Zitat stammt aus einer Zeit, wo es wirklich noch gefährlich war, eine eigene Meinung zu äußern und ist auf die gegeben Situation absolut nicht anwendbar. Herr Koller gesteht aber zu, dass "die Zeichnungen provozierend und für viele verletzend sind". Wenn man einen anderen körperlich verletzt, ist das strafbar. Im gegenständlichen Fall wird es aber als "Preis, den wir für unser freies Leben in der Demokratie gerne zahlen" entschuldigt. Wenn die gesetzliche Lage solche Veröffentlichungen zulässt, so darf man von einer seriösen Zeitung erwarten, dass sie nicht in journalistischem Schulterschluss dies mit dem Recht auf Meinungsfreiheit verteidigt, sondern dass sie sich von bewussten Provokationen und Verletzungen klar distanziert und auf eine gewisse Selbstbeschränkung der Medien pocht. Das Attentat in Wien, das selbstverständlich in aller Form abzulehnen ist, sollte wohl auch bei den Medien zum Nachdenken anregen.

Dr. Bruno Koppensteiner, 5020 Salzburg

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