Leserbrief

Sinnlos ohnmächtig

Mir geht es genau so. Sinnlose Ohnmacht, die verbleibt. Über solche Gewalt, solchen Massenmord, solche Verbrechen an der Menschheit und Menschlichkeit, über so unfassbare Leidzufügung an Unschuldigen und Verstärkung des Leids an Bedürftigen, Notleidenden und Kranken, die ohnehin schon auf der Verliererstraße des Lebens ausgesetzt waren. Das exemplarisch Böse, das ungehindert überhandnimmt und gigantische Ausmaße annimmt. Die gesellschaftlich ermöglichte, ja geförderte Verbrechernatur, und ihr gegenüber die pompös inszenierte Absage an die Bedrängten, das Hinauszögern derer letzter Hoffnungen, das Aufbauen unüberwindlicher Hürden, das Abgrenzen und Selbstbewahren, über das Ausgelöscht -Werden der Anderen, die Austilgung ganzer Völker hinaus. Solche Schande des Im-Stich-Lassens, des scheinheiligen Mitgefühls, der Ängste, dass einem selbst nicht solches Schicksal widerfährt, ist nie und nimmer tilgbar. Dieses Blut lässt sich niemals mehr abwischen, diese Tränen nie mehr trocknen. Eine ekelerregende Anbiederung, das Hinterlassen einer üblen Schleimspur der Profiteure, der deplatzierte Kotau, und wo man hinschaut, extreme Geschmacklosigkeit, sind der hiesige Beitrag zu den sich schon seit vielen Jahren abzeichnenden Vorbereitungen unermesslichen Schreckens, die von Menschen gegen Menschen ausgedacht wurden, und von allem Anfang an gegen diese gerichtet waren. Die Welt hat aufgehört, sinnvoll zu existieren. Eine solche Kultur, eine solche Politik, ergibt keinen Sinn.

Univ.Prof. Wolfgang Mayer König, 1170 Wien

Aufgerufen am 28.05.2022 um 06:44 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/sinnlos-ohnmaechtig-118481227

Schlagzeilen