Leserbrief

Skandinavische Länder sind weit voraus

Mit großem Interesse habe ich den Artikel "Geld für Angehörige, die pflegen" im Lokalteil der SN vom 21. 1. gelesen. Da ich selber bereits seit länger Zeit in der Pflege arbeite, liegt mir dieses Thema selber sehr am Herzen.


Ich muss Herrn Struber, seines Zeichens Präsident des Salzburger Hilfswerkes, in einigen Punkten Recht geben. So finde ich seinen Vergleich mit einer KFZ-Werkstatt und der Entlohnung als Pflegender einen sehr gelungenen Ansatz. Bezüglich der allgemeinen Problematik mit dem bevorstehenden Pflegemangel sind meines Erachtens einige Punkte in diesem Artikel nicht berücksichtigt worden.
Ich bin auch der Meinung, dass pflegende Angehörige in einer ädquaten Weise entschädigt werden müssen, wenn sie ihre Familienangehörigen zu Hause pflegen. Doch es gibt durchaus Fälle, in denen es Sinn macht, seinen Vater oder seine Mutter in eine stationäre Einrichtung zu übergeben. Als erfahrende Pflegekraft weiß ich auch, dass ein persönlicher Abstand zwischen dem Familienverhältnis Eltern/Kind und dem Ausmaß einer guten Pflege an seinem Angehörigen oftmals sehr sinnvoll erscheint, denn wer pflegt dann den pflegenden Angehörigen, wenn dieser psychisch "ausgepowert" ist.
Eine weitere Problematik bei der Thematik des Pflegemangels ist die unterschiedliche Entlohnung der Angestellten bei den unterschiedlichen Arbeitgebern. So klafft die Bezahlung zwischen einem "öffentlichen" und einem "privat geführten" Arbeitgeber oftmals weit auseinander. Auch hier muss die Politik ansetzen. Unterschiedliche Gehälter verstärken die Personalfluktuation bei den unterschiedlichen Arbeitgebern.
Es gibt noch sehr viel zu nun in und um die Pflege. Es sei nur so viel gesagt... im Vergleich Pflege und Pflegebedarf sind die skandinavischen Länder dem österreichischen System weit voraus.


Christian Dienstl, 5201 Seekirchen am Wallersee

Aufgerufen am 25.11.2020 um 09:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/skandinavische-laender-sind-weit-voraus-64567990

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