Leserbrief

Sommer in Salzburg

Ein heißer Junitag in unserer Altstadtwohnung - wir haben das Glück, in mein Elternhaus in die Pinzgauer Berge flüchten zu können. Raus aus der durch die Verkehrsflut übel riechenden, heißen Luft, raus aus dem Baustellenchaos und -lärm, weg von den aufeinander folgenden lauten Veranstaltungen an den arbeitsfreien Wochenenden. Doch die 34 Grad folgen uns ins Innergebirg - also rauf auf den Berg in die auf 2000m kühleren 21 Grad. Beim Aufwärtsfahren ein Ausblick aus der Gondel hinüber zu den Hohen Tauern - herrlich grün, oben noch Spuren von Schnee, unberührte Natur. Ein Durchatmen scheint möglich, nach einem Winter, in dem auch in diesem Tal die Luft, durch die vielen Abgase der Parkplatz suchenden Gäste auf überfüllten Plätzen und Dorfstraßen, kaum mehr Sauerstoff zu beinhalten schien. Dann die 90 Grad Kurve von der Mittel- zur Bergstation, der Blick hinunter: Breite geschotterte Serpentinenstraße (im Winter auch Rodelbahn), eine - diese hin und wieder kreuzende - mit STOP - und Vorrangschildern versehene zusätzliche Schotterstraße für die neuen "Mountain-Carts", ein Bagger, welcher durch die noch unversehrten Hänge in weiteren Serpentinen einen breiten Wanderweg gräbt, der unübersehbar mit dunkelgrauem Schotter befestigt wird. Endlich oben wird der Blick zu den Gipfeln der Bergketten durch den Staub getrübt, den die LKWs, welche schon wieder neue Baustellen auf diesem geschundenen Berg beliefern, aufwirbeln. Einige Tage später versuchen wir es in Südtirol, finden herrlich ruhige Wandergebiete und geschonte Natur. Auf der über 2000m gelegenen "Plätzwiese" bieten sich verschiedenste Wanderwege, gepflegt, aber naturbelassen mitten durch grüne Almwiesen zwischen gut und ursprünglich erhaltenen Almhütten - nicht übermodernisiert und ohne Musikbeschallung. Natur pur, klare Luft durchtränkt mit Gerüchen von Kräutern und Gras, herrliche Ruhe nur ab und zu unterbrochen vom Geläute der Kuhglocken und fröhlichem Lachen anderer Wanderer. Mit einem Wohlgefühl unseres Körpers und der Seele kehren wir nach Salzburg zurück. Zurück in die Hitze, gesteigert durch asphaltierte, gepflasterte oder mit grauem Kies gestreute Steinwüsten, kaum Grün - geschweige denn Bäume - welche die staub- und abgasgeschwängerte Luft reinigen und als natürliche, kostenlose Klimatisierung funktionieren könnten, dafür aber neue Vorbereitungen für neue Großveranstaltungen auf den Altstadtplätzen. Ein Durchatmen scheint nicht möglich, und trotzdem lieben wir (noch) diese Stadt und dieses Land. Morgen werde ich wieder Hoffnung schöpfen, am "Fridays for Future", die Jugend unterstützen bei ihren Aufrufen und davon träumen, dass diese vorausschauende Generation mit ihren Forderungen durchdringt zur Vernunft und Moral der Politiker, denen alleine ich schon längst nicht mehr vertraue…

Trixi Foidl, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 25.08.2019 um 03:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/sommer-in-salzburg-73245703

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