Leserbrief

Sozialer Raubbau in Gneis

Sozialer Wohnbau in Gneis wurde (salopp gesagt) durch ein paar Änderungen in einem Word-Dokument zu sozialem Raubbau in Gneis. Und die Salzburger Stadtpolitik schaut und stimmt(e) auch zu. Zu den Zahlen:

Geplant waren, unter Einbindung der Anrainer/-innen rund um das Areal am Dossenweg 230 bis 250 Wohnungen mit 75% geförderte Mietwohnungen inkl. Mietkauf und 25% als Wohnungen im Baurechtseigentum. De facto nun umgesetzt werden 56% sozialer Wohnbau, der Mietkauf ist ade und die Nutznießer? Bürger/-innen mit Geld, die hier zu Eigenheimbesitzer/-innen werden. Demgegenüber stehen rund 3000 bis 5000 Wohnungssuchende in Salzburg, welche kein Kapital frei machen können für Eigentum.

Hier ein paar Zahlen: Im Vergleich zu anderen Landeshauptstädten hat Salzburg die niedrigste Mieterquote: 50% (Innsbruck: 60%, Linz 72% und Graz hat 50%). Etwa 42% wohnen im Eigentum. Der Anteil der geförderten Miet- und Gemeindewohnungen liegt in Salzburg bei 22% und ist deutlich niedriger als in Wien (43%) und in Linz (54%). Diese Menschen stehen somit wieder einmal im Regen. Bei unserer Wetterlage sind es die meisten Salzburger/-innen wohl schon gewöhnt. Sonnige Aussichten weiterhin für Eigentümer.

Die ÖVP nennt dies wohl "effiziente" Stadtpolitik, so ein Word-Dokument ist ja schnell umgeschrieben und ein Gemeinderatsbeschluss, wie man feststellen kann, noch schneller eingeholt. Frau/Man(n) könnte meinen, um einigen wenigen Strippenzieher/-innen Gefälligkeiten zu erweisen, wurde, im Eilverfahren, Wohnen unleistbar gemacht. Denn das Areal am Dossenweg ist eine aussterbende Fläche, da es eines der letzten Areale für sozialen Wohnbau darstellt(e). Erschwerend hinzu kommt, dass sich für das Freiwerden neuer Areale alle gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften immer wieder aufs Neue einigen müssen.

Trauriges Ende dieses Politik-Theaters, für mich als bekennende "Kreisky-Rote": Dass sich hier die Stadt-SPÖ mit einem Deal (Privatkindergarten oder nicht für dieses Bauvorhaben), wie es den Anschein macht, wieder einmal sang- und klanglos fügen musste. Und noch schlimmer: der Fuchs im Bau . . .

DSA Viktoria Kiss MA BA, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 30.11.2020 um 04:04 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/sozialer-raubbau-in-gneis-76943506

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