Leserbrief

Sozialhilfe bekämpft die Armen

Ohne mit den Ländern und Sozialorganisationen ausführliche Gespräche zu führen und ihre Einwände gegen die Umwandlung der Mindestsicherung in die Sozialhilfe neu ernst zu nehmen, wurden die neuen Bestimmungen am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentiert. Eine alleinerziehende Mutter (oder Vater) mit 3 Kinder bekommt in Zukunft insgesamt im Durchschnitt pro Person mtl. 313 Euro neue Sozialhilfe, spricht sie (oder er) nicht gut Deutsch mtl. nur mehr 238 Euro. Für das 3. Kind gibt es konkret nur mehr 1,43 Euro pro Tag. Kann man davon tatsächlich halbwegs menschenwürdig leben und ist das wirklich eine notwendige Maßnahme im Interesse der Mehrheit der österreichischen Bevölkerung? Ich kann und will es nicht glauben,
- weil aktuell den 410.355 in Österreich beim AMS arbeitssuchend gemeldeten Personen (incl. Schulungsteilnehmer), von denen die meisten sehr gerne arbeiten möchten, nur 72.280 sofort verfügbare offene Stellen grundsätzlich zur Verfügung stehen. Das bedeutet in der Realität, dass es im Durchschnitt für je sechs arbeitssuchende Personen nur eine freie Stelle gibt, die außerdem noch von der Erreichbarkeit und den Arbeitsanforderungen passen muss
- und weil wir uns als eines der reichsten Länder der Welt ein menschenfreundliches Sozialsystem leisten können - vor allem dann, wenn auch die Vermögenden und vor allem die Konzerne einen entsprechenden Anteil an der Finanzierung unseres Sozial-, Bildungs-, Gesundheits- und Pensionssystems sowie für sinnvolle Integrationsmaßnahmen leisten und die geplante Initiative des Finanzministers gegen Steuerhinterziehung konkrete Formen annehmen würde.
Die Sozialhilfe neu ist kein Beitrag zur Bekämpfung der Armut, sie bekämpft die Armen. Als sozial orientierter österreichischer Staatsbürger schäme ich mich für diese unsere Bundesregierung. Wachen wir auf und wehren wir uns dagegen.


Hans Riedler, 4040 Linz

Aufgerufen am 23.10.2019 um 07:13 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/sozialhilfe-bekaempft-die-armen-67249711

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