Leserbrief

Spekulationen im Baugrund

Wenn wieder einmal darüber diskutiert wird, dass die Wohnungsmieten in Salzburg so unverschämt teuer sind, so darf dabei nicht vergessen werden, dass diese in der Regel von der Höhe der Wohnungserrichtungskosten abhängig sind. Die Errichtungskosten einer m2-Wohnfläche setzten sich erfahrungsgemäß zusammen aus den reinen Baukosten und dem anteiligen Grundpreis. Während sich die reinen Baukosten in den letzten Jahren entsprechend dem allgemeinen Index "normal" entwickelten, stiegen die Kosten für Grund und Boden extrem ins Uferlose. Ein Beispiel: Während man in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in guter Lage in der Stadt noch einen Baugrund um 300 öS/m2 bekommen konnte, muss man
heute dafür 1.500 Euro und mehr bezahlen. Eine Preissteigerung um das 60- bis
70-fache. Dass diese Preise nur von wenigen Betuchten bezahlt werden können, darf uns also nicht wundern. Diese "Betuchten" können es sich sogar leisten, dass in unserer Stadt an die 5.000 Wohnungen leer stehen, weil diese nicht einmal auf die Mieterträge angewiesen sind. Unsere Jungfamilien sind daher gezwungen, sich irgendwo im Umland eine Bleibe zu suchen und jeden Tag als Pendler in die Arbeit zu fahren, mit allen negativen Begleiterscheinungen wie Zersiedelung, Pendlerstau, etc.. Die Politik ist daher dringend aufgefordert über den Eigentumsbegriff bei Grund und Boden neu nachzudenken und im Interesse der Gesamtheit unserer Bürger entsprechend wirksame Maßnahmen zu setzen. Es macht nämlich einen
Riesenunterschied, ob ich mir um 100 Millionen einen Picasso kaufe und den in
meiner Wohnung an die Wand hänge - und damit niemand schade - oder ob
ich mir um dieselbe Summe einen schönen Baugrund in bester Lage kaufe,
spekuliere und damit langfristig eine negative gesamtgesellschaftliche
Entwicklung auslöse und fördere.

Arch. Dipl. Ing. Gert Cziharz, 5020 Salzburg

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