Leserbrief

Sprachgestammel

Ein Beitrag zur Satire von Alexander Purger, SN vom 12. 1.:

Schon Viktor Frankl sagte, "jede Zeit hat ihre Neurose - und jede Zeit braucht ihre Psychotherapie". Zu so einer pathologischen Zeitströmung gehört wohl auch die Vergenderung der Sprache, doch ihre Therapie bzw. Rettung ist noch nicht in Sicht, im Gegenteil, es gibt immer kuriosere Vorschläge zu ihrer Verhunzung.

Alles begann damit, dass das bislang geschlechtsneutrale maskuline Generikum, das eine Funktion ausdrückt und nicht die Person meint (unter z. B. "der Arzt, der Bauer usw." sind jeweils alle gemeint, die die jeweilige Funktion innehaben, unabhängig von ihrem Geschlecht), sexistisch gedeutet und damit verdächtigt wurde, die Frauen zu diskriminieren. Also musste es ab jetzt heißen: "Der Arzt und die Ärztin, der Bauer und die Bäuerin". Es genügte ihnen auch nicht, dass spätestens im Plural alle "der" sich dem "weiblichen" Artikel "die" ("der Mann, die Männer") beugen müssen… Nein, die Zweigenderung musste für alle "Österreicher und (no na ned) Österreicherinnen" her.

Die ideologisch begründete Sprachverformung ging munter weiter mit XForm, Unterstrichen, BinnenI, Schrägstrich, und neuerdings -ende. Aber wie schon in der Satire von A. Purger (SN 12. 1., "Spanischer Schnee und gestammelte Worte") aufgedeckt wurde, hat auch dies so seine Grenzen: "Arztende und Bauernde" geht nicht. Aber dafür gibt es ja nun das Gendersternchen, damit sich auch die Diversen nicht diskriminiert fühlen. Ab jetzt muss es also heißen: Ärzt*in, Bäuer*in, bzw. Ärzt*innen und "Bäuer*innen. Gendergerecht ist das zwar nicht, weil die Männer nun ausgeschlossen sind, denn mit Worten mit der Endung -in, bzw. -innen werden im Deutschen nur Frauen bezeichnet, aber das stört ja niemanden, Hauptsache wir Frauen sind endlich einmal hervorgehoben.

Oh, wie einfach war doch unsere natürlich gewachsene Sprache, die mit ihrem maskulinen Generikum alle Geschlechter einschloss. Und wie einfach wäre doch die Therapie für all das künstlich aufgesetzte Sprachgestammel: Ein Zurück zum Ursprung! Ob eine solche Einsicht unserem Bildungsministerium zuzutrauen ist?


Dr. Gertraud Weggemann-Posch FA für Kinder- und Jugendheilkunde, 6700 Bludenz

Aufgerufen am 09.12.2021 um 03:07 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/sprachgestammel-98588599

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