Leserbrief

Stellungnahme des Diakoniewerks

Das Diakoniewerk möchte zum Leserbrief "Menschenwürde ist hier nicht gegeben" vom 4. Mai 2020 Stellung nehmen: Frau Taferner-Mühlbacher spricht darin die derzeitigen Einschränkungen für Angehörige an, Bewohner/-innen in Seniorenwohnhäusern auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Selbstverständlich ermöglicht das Diakoniewerk, wie alle anderen Seniorenwohnhäuser in Österreich, Angehörigen unter Einhaltung der entsprechenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen diese Begleitung von Palliativpatienten/-innen. Es ist uns allerdings bewusst, dass hier einige in Coronazeiten notwendigen Regelungen von Angehörigen als Begrenzungen erlebt werden können, wie das offenbar auch in der geschilderten Situation der Fall war. Die Zeilen machen deutlich, mit welchen ethisch konfliktären Situationen die verantwortlichen Führungskräfte in Seniorenwohnhäusern künftig verstärkt konfrontiert sein werden. Einerseits gilt es, die Bewohner/-innen, die aufgrund ihres Alters und häufiger Vorerkrankungen als besonders vulnerabel gelten, bestmöglich zu schützen und ihnen andererseits ein so weit als möglich selbstbestimmbares Leben zu ermöglichen. Bewohner/-innen und deren Angehörige äußern nach Wochen strikter Besuchseinschränkungen den verständlichen Wunsch nach normalisierten, persönlichen Begegnungsmöglichkeiten. Derzeit werden intensiv und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden Wege gesucht, um unter Einhaltung der nötigen Schutzmaßnahmen diese wieder zu ermöglichen. Hierfür braucht es in der nächsten Zeit viel Fingerspitzengefühl, Kreativität, Erfahrungsaustausch zwischen den Einrichtungsträgern sowie Zeit und Geduld, um einen sicheren und menschlichen Umgang mit dieser gänzlich neuen Situation zu finden. Letztlich aber braucht es künftig auch eine breite gesellschaftliche Verständigung darüber, welches Maß an Sicherheit und Kontrolle und welches Maß an Risiko und Selbstbestimmung eine Gesellschaft insgesamt im Umgang mit dem Coronavirus bereit ist zu tragen bzw. zuzulassen. Wie streng oder wie offen man Besuchs- und Begleitregelungen in stationären Betreuungseinrichtungen in Coronazeiten künftig definiert, wird wesentlich auch von diesem Diskurs beeinflusst werden.

MMag. Michael König, Geschäftsführer Diakoniewerk Salzburg

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