Leserbrief

Straftaten und ihr religiöser Hintergrund

Mit großem Erstaunen las ich einen Leserbrief vom 19.12., der sich kritisch zu Andreas Kollers Klartext "Wie wäre es mit den Fakten?" vom 17.12. äußert. Mein Erstaunen war deshalb so groß, weil ich diesen Artikel in den SN für den besten, sachlichsten und ausgewogensten halte, den ich in letzter Zeit über die Probleme des Zusammenlebens mit Zuwanderern gelesen habe. Ich habe ihn deswegen auch für Bekannte zum Lesen aufgehoben.
Der Verfasser des Leserbriefes meint, wenn Straftaten von Migranten mit islamischem Glauben begangen würden, dann sollte dieser Hintergrund nicht erwähnt werden, da dies bei Katholiken, Buddhisten oder Atheisten auch nicht erfolge.
Er vergisst dabei, dass Herkunft, Beruf oder Bekenntnis eines Täters immer angeführt werden, wenn sie in irgendeinem Bezug zur Tat stehen oder stehen könnten. Wenn sich ein katholischer Priester an einem Ministranten vergangen hat, dann lesen wir auch von einem katholischen Priester und nicht nur von einem "Mann". Und der Attentäter von Straßburg war nicht bloß ein 29-jähriger Franzose, sondern auch ein Islamist mit marokkanischen Wurzeln.
Probleme unserer Gesellschaft nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen und unter einem sprachlichen Mantel verschwinden zu lassen, trägt nicht zu deren Lösung bei.


Mag. Peter Zenner, 2460 Bruck

Aufgerufen am 24.11.2020 um 12:52 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/straftaten-und-ihr-religioeser-hintergrund-62828515

Schlagzeilen