Leserbrief

Strategische Koordination zwischen Russland und China

Die EU wünscht sich nunmehr China als Vermittler im Ukraine-Krieg. Aber was ist, wenn sich Russland und China, die beide bekanntlich die westliche Dominanz brechen wollen, nicht schon längst im Geheimen strategisch koordiniert haben? Russland greift die Ukranie an, bricht nach einiger Zeit an die ukrainische Westgrenze durch und überfällt nach der Zerschlagung des ukrainischen Widerstandes im Raum Odessa im Vorbeigehen auch die Republik Moldau, die transnistrischen Separatisten haben bereits geopolitische Konsequenzen, beginnend mit Grenzverschiebungen, aus dem moldawischen EU-Beitrittsantrag angekündigt. Russland bindet so jedenfalls die europäischen Kräfte. China greift nach den Olympischen Spielen Taiwan an, aus chinesischer Sicht ohnehin eine innere Angelegenheit, und bindet so die USA auf den asiatischen Schauplatz. Nach Umgruppierung greifen russisch-weißrussische Truppen im polnisch-litauischen Grenzgebiet im Bereich der Suwalki-Lücke an, brechen zur russischen Exklave Kaliningrad durch, schneiden die baltischen Staaten so auf dem Landweg von Europa ab und marschieren schließlich auf breiter Front in die baltischen Republiken ein. Da die USA am asiatischen Kriegsschauplatz gebunden sind, müssen die Europäer und die NATO dieses militärische Problem alleine lösen. Ungarn und die Slowakei erklären unter russischem Druck der Gewalt zu weichen und wenig später stehen russische Truppen an der österreichischen Ostgrenze. Damit ist ein wesentlicher Teil des russischen Ultimatums vom November 2021 aus russischer Sicht erfolgreich erledigt. Eine allfällige Panzerschlacht im Marchfeld ist nicht zu befürchten, den das österreichische Bundesheer, über drei Jahrzehnte abgerüstet und kaputtgespart, verfügt nicht mehr über genügend schwere Waffen, es gibt keine funktionsfähige Luftverteidigung und auch keine ausreichende Sanitätstruppe, usw. Wien, Eisenstadt, Graz und St. Pölten liegen wie am Präsentierteller vor den russischen Kampfverbänden, Österreich, so wie die Republik Moldau kein NATO-Mitglied, kann nur mehr auf seine immerwährende Neutralität hoffen und das Gott unser Land schützen möge.

Mag. Heinrich Winkelmayer, GenMjr a.D., 8151 Hitzendorf

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