Leserbrief

Tägliches Schauspiel am Salzburger Bahnhof

Ein tägliches Schauspiel am Salzburger Bahnhof nächst dem Taxistandplatz kann von Jedermann/-frau am späten Nachmittag beobachtet werden:
Die sogenannte "Bettlermafia" versammelt sich - meist begleitet von wüsten Auseinandersetzungen untereinander - dort, bevor es gesammelt zu den Schlafstätten geht. Doch davor schlängeln sich sechs bis acht Personen dieses Clans durch die dort wartenden Taxis, und halten mit der Aufforderung "wechseln" die geöffneten Hände, voll mit ein und zwei Euro Münzen, den Taxilenkern entgegen. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass es im täglichen Geschäft der Personenbeförderung keinesfalls Bedarf an so vielen Münzen gibt, frage ich mich ernsthaft, wie es sein kann, dass einzelne Personen, die den "Notreisenden" zugerechnet werden, über Beträge von zumindest 50 bis 60 Euro in Münzen täglich verfügen können? Dies aber Sozialversicherungs- und steuerfrei?!
Auch sitzen diese bedauernswerten Leute mit selbstgebastelten Schildern, auf denen kund getan wird, dass sie vier Kinder daheim zu versorgen hätten, in der Stadt herum. Frage: Wo sind diese Unmündigen? Natürlich in Rumänien oder Ungarn. Ich bin aber der Meinung, dass diese Kinder wohl besser von den Müttern zuhause umsorgt wären. Klar, denn das Betteln mit Kindern ist ja bei uns verboten.
Zwischenzeitlich sind die Jüngeren dieser Bettler auch auf andere Geschäftsmodelle gekommen, weil sie ja mobiler sind. Also wird den Passanten entweder eine nichtssagende Zeitung oder Broschüre unter die Nase gehalten, und wenn dieser dann dankend ablehnt, um einen (oder zwei) Euro gebeten. Zeitungsverkauf ist ein freies Gewerbe. Anders sieht es jedoch bei den Blumen aus, die auch Passanten angeboten werden. Denn dies erfordert eine Gewerbeberechtigung, und muss auch im Original (sic!) mitgeführt werden.
Möglicherweise ist die Politik der Auffassung, dass sich das Problem der Bettelei von selbst erledigen würde. Solange es aber "Gutmenschen" gibt, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Bettler hier ein weit besseres Einkommen haben als zuhause und sehr gut - auch die Familie daheim - davon leben können, wird sich auch nichts ändern.
Ich selbst habe Migrationshintergrund ohne eigene Erfahrung. Aber weder ich, meine Eltern oder Großeltern haben je gebettelt. Außer um Wertschätzung ... .

Peter Randorf, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 17.10.2019 um 06:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/taegliches-schauspiel-am-salzburger-bahnhof-67535887

Schlagzeilen