Leserbrief

Tanz zum Jahreswechsel

Ja, wenn sich alles dreht ... Dann ist der Walzer zu hören, dann startet das neue Jahr, dann ist Glückseligkeit angesagt. Donauwalzer zu Mitternacht, Neujahrskonzert am Tag danach.
Tausende sitzen in Österreich vor dem Fernseher, Millionen auf der ganzen Welt.
Alle hören die schwungvolle Musik und lassen sich bezaubern, aber keiner macht, was der Komponist sich dabei gedacht hat - keiner tanzt.
Da sitzen bestens gewandete Menschen aus aller Welt im Zuschauerraum, und das Maximum an Bewegung ist ein Klatschen, ein rhythmisches Mitklatschen zum Radetzkymarsch.
Was den Walzer so bekannt gemacht hat, was er revolutioniert hat, die Beziehung zwischen Mann und Frau, die Auflösung der Gesellschaftsschichten, das Mitreißende in der Musik, die jeden zur Bewegung zwingt, haben wir vergessen.
Nicht nur vergessen, es wurde verdrängt, ersetzt durch "Stillsitzen". Es nennt sich Kultur, da man ja dem Dirigenten zu lauschen hat, nicht ein Hüsteln ist erlaubt, schon gar nicht Bewegung. Dabei ist es Unkultur, eine Nichtachtung des Komponisten, der vor tausenden tanzenden begeisterten Wiener/-innen gespielt hat.
Warum aber finden wir nicht zurück zu den Wurzeln, hören uns einmal den neuen Walzer an und tanzen dann dazu? Exportieren wir doch, was wir nicht nur können, sondern was wir im kleinen Zehen haben, unseren Wiener Walzer - den Tanz des Jahres 2019.
Prosit Neujahr und viel Freude am Ballgeschehen!

Dr. Klaus Höllbacher, Präsident des Verbandes der Tanzlehrer Österreichs, 8052 Graz

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