Leserbrief

Teiltauglichkeit - oder doch ein kippendes Sozialsystem

Die Diskussion über die Gleichberechtigung kennt zahlreiche Facetten, doch von einer Gleichberechtigung beider Geschlechter kann man noch lange nicht sprechen - auch wenn es darum geht, ob gleiche Rechte nicht auch gleiche Pflichten bedeuten.
Da aufgrund enormer Mängel im Sozialbereich eine Gesetzesnovelle in Form der Teiltauglichkeit bevorsteht, ist zu überlegen, ob die gesetzliche Wehrpflicht nicht auch für Frauen gelten soll. Allein die aktuelle demografische Entwicklung spricht für ein Ja: Sie zeigt einen kontinuierlichen Rückgang der Geburten in den letzten Jahrgängen ab. Hinzu kommt, dass die Zahl der Stellungspflichtigen abnimmt. In dem von Marian Smetana verfassten Leitartikel "Teiltauglichkeit kann nur ein Teil der Lösung sein" (SN, 9.3.) wird die bedenkliche Entwicklung, dass der Anteil der Übergewichtigen in einem Zeitraum von 28 Jahren um 17,2 % gestiegen ist, sehr eindringlich dargestellt. Es ist unschwer zu erkennen, dass Zivil- und Grundwehrdiener an allen Ecken und Enden fehlen werden.
Aber nicht nur das Damoklesschwert eines kippenden Sozialsystems spricht für eine notwendige Veränderung. Sowohl der Zivil- als auch der Grundwehrdienst können als Chance gesehen werden. Als Chance, Neues auszuprobieren, sich zu orientieren und Lebenserfahrung zu sammeln. Manchen öffnet diese Zeit beruflich die Türen, bedenkt man die Personen, die durch den Zivildienst den Traumberuf im Bereich der Pflege gefunden haben. Wieso soll diese Chance nun Frauen vorenthalten werden? Denn Männer müssen und Frauen dürfen - die berechtigte Frage, die sich stellt, lautet: Bringen die Frauen etwa nicht die benötigten Fähigkeiten mit, oder traut man es ihnen einfach nicht zu? Und wenn an dieser Stelle Klischees auftauchen, Frauen seien physisch nicht in der Lage, körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten zu verrichten, dann muss man sich auch die Frage stellen, ob Frauen nicht geeigneter für soziale Arbeiten seien. Doch Klischees und Vorurteile haben in einer plausiblen Argumentation genauso nichts verloren wie in dieser Diskussion. Im Sinne der Gleichberechtigung sollen Frauen sich auch aussuchen können, welche Tätigkeit sie verrichten wollen. - Voraussetzung, eine Gleichberechtigung findet in allen Bereichen statt!

Anstatt einer halbherzigen Lösung, wie der Teiltauglichkeit, könnte die Zahl der potenziellen Grundwehr- und Zivildiener ohne Probleme verdoppelt werden. Alles, was nötig wäre, ist eine Änderung der Verfassung mit Zweidrittelmehrheit im Nationalrat.


und die Maturantinnen und Maturanten der BHAK Zell am See

Sarah Leimgruber, 5700 Zell am See

Aufgerufen am 28.01.2021 um 02:09 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/teiltauglichkeit-oder-doch-ein-kippendes-sozialsystem-84740308

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