Leserbrief

Thema verdient sachliche Diskussion

Dieses Thema ist beinahe so etwas wie das Ungeheuer von Loch Ness: Von Zeit zu Zeit taucht es auf und verschwindet wieder. Wenn ein Senior einen Unfall hat und gegen eine Hausmauer kracht, so gibt es eine große Schlagzeile mit zugleich der Forderung nach Tests für Senioren. Wenn der gleiche Unfall einem Jugendlichen passiert, was viel häufiger der Fall ist, so kommt nie eine derartige Forderung auf. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Senior als Lenker unterbleibt wegen der existierenden Vorurteile. Dabei ist die Teilnahme von Senioren am Straßenverkehr tatsächlich ein Problem, aber nicht nur als Lenker, sonder auch als Fußgänger und Radfahrer, wobei die Senioren hier oft die Opfer der Jungen sind. Und mit dem Alter steigt die prämotorische Reaktionszeit, die Zeit bis man erkennt, dass man handeln muss. Die rein motorische Reaktionszeit ist dagegen weitgehend gegen das Alter invariant. Dabei sind Senioren sehr unterschiedlich: Es gibt sehr rüstige und gesunde Senioren und solche die früh altern. Ab dem 70. Geburtstag gehen die Leistungswerte stark auseinander. Von welchen Senioren reden wir dann eigentlich? Ich meine, dass das Thema eine sachliche Diskussion verdient hätte und damit hoffentlich für alle Beteiligten in eine positive Richtung gehen wird. Ich habe oft mit Älteren in Seniorenclubs gearbeitet und gesehen, dass man auch mit alten Menschen gut über ihre Probleme im Straßenverkehr sprechen und ihnen helfen kann, besser mit dieser Aufgabe zurecht zu kommen.


Dr. Wolf Dietrich Zuzan, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 30.10.2020 um 08:41 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/thema-verdient-sachliche-diskussion-65775592

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