Leserbrief

Türkise ÖVP

Im Interview mit Helmut Schliesselberger sagt Finanzminister und Wiener Spitzenkandidat Gernot Blümel auf die Frage, ob der Wahlkampf in Wien darauf ausgerichtet ist, die FPÖ Wähler einzusammeln: "Seitdem es Türkis gibt fahren wir dieselbe Linie". Für viele Beobachter ist das zwar nicht neu, die Offenheit überrascht aber doch. Im weiteren Text finden sich wie immer die vom Kanzler vorgegebenen und von Jörg Haider abgekupferten Populismen, wie die Türkisen seien für diejenigen da, die in der Früh aufstehen und arbeiten gehen (bei Haider die Anständigen und die Tüchtigen). Ohne Populismus wird wohl kein Politiker auskommen, aber wenn man es auf die Spitze treibt, bekommt man irgendwann die Rechnung präsentiert, siehe FPÖ. Im sehr treffenden Leserbrief derselben Ausgabe nennt der geschätzte Dr. Clemens Hutter im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik solche Politiker "Schlaumeier", Schlaumeier sind jedoch keine Staatsmänner. Schlaumeier schauen auf sich und ihre Macht, nicht jedoch auf das Gemeinwohl, das auch jenseits unserer Grenzen liegt. Angesehene Staatsmänner haben einen weiteren Horizont, weil sie wissen, dass nur der Blick auf das Ganze Wohlstand und Frieden für alle sichern kann. Die ehemalige schwarze ÖVP wäre gut beraten, die türkise "Revolution" zu hinterfragen, obwohl derzeit erfolgreich. Der Erfolg ist fast ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass dem Kanzler das Kunststück gelungen ist, die FPÖ rechts zu überholen. Und wenn man verdammt ist auf diesem Kurs zu bleiben, wenn man auch schon die letzten christlichen Inhalte türkis übermalt hat, dann wird es langfristig irgendwann schwierig werden.

Dr. Erwin Kainhofer, 4882 Oberwang

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