Leserbrief

Über die Entwicklung und Politik Chinas

China legt zweifellos eine technisch und wirtschaftlich faszinierende Entwicklung vor. Ermöglicht hat diese Entwicklung zum Großteil die Teilnahme Chinas am freien Welthandel, also dem so verteufelten kapitalistischen System. Zum Aufstieg Chinas beigetragen hat ebenso eine fahrlässige Euphorie und Blindheit demokratischer Staaten, leider auch vieler Unternehmen, die sich ihr Know-How stehlen ließen, um am chinesischen Markt Fuß zu fassen, egal zu welchem Preis. Ermöglicht hat diese Entwicklung das Studium tausender Chinesen an westlichen Universitäten, die mit diesem Know How nach Hause zurückkehrten, mit viel technischem Wissen aber ohne demokratische Werte. Die freie Welt belog sich zudem jahrzehntelang mit dem Argument, der wirtschaftliche Erfolg Chinas würde demokratische Werte automatisch mit sich bringen. Genau das Gegenteil ist eingetreten. Was in vielen Kommentaren und Begeisterungsstürmen zu Chinas Entwicklung ziemlich außer Acht gelassen wird, dass China eine gefestigte kommunistische Diktatur mit einem Regierungschef Xi Jinping ist, der nichts anderes als einen skrupellosen Diktator verkörpert, einen Anführer an einer nicht mehr abwählbaren Machtstelle, der eher nicht Gorbatschow, sondern wohl Stalin und Mao als Vorbild wählte. In China, dem "staatssozialistischen Paradies", werden unter anderem Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten, die totale Überwachung ist Realität, jede Meinungsabweichung des diktatorisch vorgegeben Kurses kann mit dem Tod enden. Ein paar durchaus beeindruckende grüne Leuchtturmprojekte täuschen über die apokalyptische Umweltverschmutzung in dem Riesenreich hinweg. Chinas Hinwendung zu Entwicklungsländer, von manchen als Vorbild tituliert, stellt sich so dar, dass China für Infrastrukturprojekte das gesamte Material und alle Arbeiter bereitstellt und 12 Prozent oder mehr Zinsen verlangt, siehe Beispiel Sri Lanka. Europa ist noch so dumm, dies als Entwicklungshilfeprojekte zu kofinanzieren, was einmal mehr zeigt, dass Europa im Grunde Afrika vollkommen außer Acht gelassen und mit vollkommen ineffizienter Entwicklungshilfe in keiner Weise geholfen hat. Das devote Buckeln der gesamten demokratischen Welt gegenüber China ist kaum mehr erträglich. Stattdessen echauffieren sich vor allem die linken Besserwisser über jeden Rülpser Trumps, über den Todesstrafenrekordhalter China sieht man geflissentlich hinweg, die brutale, stetig steigende Unterdrückung der UIguren wird akzeptiert. Ein anständiges Umgehen mit China stellt zweifellos eine große Herausforderung dar, da die wirtschaftlichen Chancen dieses Landes riesig sind. Umso mehr bräuchte es ein starkes, geeintes Europa, das China selbstbewusst gegenüber tritt.


Peter Kubesch, 1120 Wien

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