Leserbrief

Über Klettersteige offen diskutieren

Gratulation an Andreas Widmayer für den Mut und die klaren Worte im Zusammenhang mit den Bergrettungseinsätzen am Königsjodler-Klettersteig. Ob sie zur Aufklärung und mehr Vernunft beitragen werden, bezweifle ich jedoch. "Die Geister, die ich rief, werd' ich nicht mehr los", so zitiere ich stets den Zauberlehrling, wenn in Bergrettungs- oder Bergführerkreisen über das Thema Klettersteig diskutiert wird.
Aufklärung ist wichtig und notwendig, weil Reglementierungen oder Verbote nicht zielführend sind. Letztendlich sehe ich aber auch mitunter ein, wenn nicht die entscheidende Verantwortung bei den Initiatoren und Erbauern von solchen Steiganlagen liegt, die völlig am ursprünglichen Zweck von Klettersteigen vorbei, nicht selten nur mehr im Hinblick auf die Attribute "schwierigster, längster, anstrengendster etc." errichtet werden. Klar, das zieht und bringt viele Menschen via Stahlseil in Regionen, die sie ohne diese künstlichen Anlagen nie erreichen würden. Beobachtet man das Klettern am Stahlseil, so fällt auf, dass viele sich wider jede Empfehlung für eine elegante und geschmeidige Klettertechnik fast ausschließlich mit zu viel Armkraft ruckartig nach oben bewegen. Weit entfernt vom ästhetischen "Tanz in der Vertikalen", wie das Felsklettern oft bezeichnet wird, und schrecklich anzuschauen. Die Berchtesgadner haben sich an der Watzmannüberschreitung als Präventivmaßnahme zu einem Rückbau der Versicherungen entschieden. Die mutigen, ebenso beherzten wie berüchtigten, beachtenswerten Einsätze der Mühlbacher und Dientner Bergrettungskollegen am Köngsjodler haben ja von außen betrachtet mittlerweile schon fast etwas Masochistisches an sich. So wundere ich mich persönlich nach 40 Bergrettungsjahren, warum sie die Seile nicht schon längst abgebaut haben. Es wäre meiner Meinung zumindest eine Überlegung wert, wie man unzureichend vorbereiteten Jodler-Aspiranten durch Rückbau oder ähnliche Maßnahmen rechtzeitig ihre Grenzen bewusst machen könnte. Wobei, um abschließend an Andreas Widmayer anzuknüpfen: Dummheit kennt keine Grenzen! Womit wir wieder beim Abbau wären(?)


Mag. Heinrich Johann Lechner, 5020 Salzburg

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