Leserbrief

Überzogene Maßnahmen in sozialen Einrichtungen

Ich möchte mich bei der Klasse 3AS der Fachschule für Sozialbetreuungsberufe der Diakonie Salzburg für ihren Leserbrief "Maßnahmen kontra Menschlichkeit" (SN vom 30. 5. 2020) sehr herzlich bedanken. Ihr sprecht mir damit aus der Seele. Dass Menschen, die sich in sozialen Einrichtungen befinden, weil sie auf Pflege - und damit Kontakt - angewiesen sind, monatelang nicht einmal ihre eigenen Kinder oder Eltern umarmen dürfen und in einem stickigen Zimmer eingesperrt sind, finde ich sehr schlimm. Es ist zu befürchten, dass diese überzogenen und herzlosen Maßnahmen das Leben dieser Menschen stark beeinträchtigt, wenn nicht für manche von ihnen sogar verkürzt. Was bringt es diesen Menschen dann, dass sie vor einer eventuellen Ansteckung mit Corona geschützt sind, wenn sie an Einsamkeit und Vernachlässigung sterben? Oder auch aus Mangel an medizinischer und körperlicher Versorgung, weil sich ihnen auch die Pflegenden nur in Masken und Schutzanzügen nähern dürfen? Natürlich scheinen solche Todesfälle nicht in der Corona-Statistik auf und wirken sich nicht negativ auf das Image der Politiker auf, die diese Maßnahmen verhängt haben.

Das Beklatschen der "Helden des Alltags" ist eine Art von Anerkennung, die niemanden etwas kostet, und soll offenbar darüber hinwegtäuschen, dass die Verantwortlichen nicht daran denken, diesen für uns alle (lebens)wichtigen Berufsstand finanziell entsprechend seiner Wichtigkeit zu entlohnen und die Arbeitsverhältnisse in den Pflegeberufen so zu gestalten, dass sie den Pflegekräften eine angemessene Work-Life-Balance bieten. Wen kann es unter solchen Umständen wundern, dass es zu wenige junge Menschen gibt, die sich solche Arbeitsverhältnisse antun wollen, selbst wenn sie so motiviert sind wie die Studierenden der Klasse 3AS.

Doris Anderka, 1220 Wien

Aufgerufen am 15.01.2021 um 09:24 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ueberzogene-massnahmen-in-sozialen-einrichtungen-89401231

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