Leserbrief

Umdenken in der Landwirtschaft

Zum Bericht "Aus für Reine Lungau" (SN vom 23. 10.: Ich habe mir von Anfang an nichts anderes erwartet, als dass dieses Projekt scheitern wird. Warum soll der Kunde für eine ganz normale Silagemilch mehr bezahlen? Die Silagemilch aus dem Lungau unterscheidet sich inhaltlich durch nichts von der Silagemilch aus dem Flachgau. Dass der Weizen aus dem Lungau stammen muss, macht die Milch auch nicht höherwertiger.

Inhaltlich besser als Silagemilch wäre eine reine Heumilch. Sie enthält mehr Omega-3-Fettsäuren als die Silagemilch. Weiters müsste die Milch natürlich frisch und nicht länger haltbar sein. Die länger haltbare Milch ist stärker erhitzt, wodurch wertvolle Nährstoffe verloren gehen, und die Fettzellen, die durch das Erhitzen zerrissen wurden, legen sich leichter in den Gefäßen des Menschen ab.

Ein Biospärenpark wäre verpflichtet, einen Ausweg aus der Intensivlandwirtschaft mit aller Naturzerstörung zu finden und einen Weg, wie man naturverträglich Landwirtschaft betreiben kann, aufzuzeigen. Dafür würde sich der Lungau bestens eignen. Es läuft dort seit einigen Jahren das Projekt zum Schutz des Braunkehlchens. Dieses und alle anderen Wiesenbrüter brauchen Wiesen, die nur zwei Mal im Jahr gemäht werden, die nicht mit Gülle zugeschüttet werden und die noch Blumen und Insekten haben.

Auf den ersten Blick würden solche Maßnahmen natürlich das Einkommen des Bauern reduzieren. Dafür hätten wir eine wirklich wertvolle und gesunde Milch. Wenn der Kunde weiß, dass er mit dem Kauf dieser Milch etwas zum Schutz für Braunkehlchen, Wiesenpieper, Brachvogel, Kiebitz, Wachtel, Rebhuhn und Wachtelkönig leistet, würden er dafür viel eher mehr für jeden Liter Milch bezahlen. Die monotonen Wiesen, in denen es keine Blumen und Insekten gibt, die mit Gülle zugeschüttet werden, das Bodenleben dadurch verätzt und das Grundwasser auf lange Zeit vergiftet wird, können nicht auf Dauer so weiter geführt werden.

Wir müssen umdenken und den Bauern nicht Förderungen pro Hektar, sondern für naturnahe Bewirtschaftung bezahlen. Dazu gehört ein gerechter Milchpreis für eine gesunde Milch.


Hemma Gressel, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 24.11.2020 um 04:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/umdenken-in-der-landwirtschaft-95589256

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