Leserbrief

Unbegrenzter touristischer Flächenverbrauch trotz Corona

Unbegrenzter touristischer Flächenverbrauch geht trotz Coronakrise ungehindert weiter!

Im Bergdorf Kleinarl existieren in Teilen der Bevölkerung starke Bedenken über die Seriosität der Gemeindepolitik und der gesellschaftlichen Verantwortung der Tourismus-Branche. Trotz scheinbarer Problemstellungen für die Tourismus-Branche aufgrund der Coronakrise wird weiterhin unbegrenzter Flächenverbrauch etwa durch die Errichtung eines weiteren Mega-Projektes und zwar eines Bergrestaurants in exponierter Lage in bisher unberührtem Gebiet) vorangetrieben.

Weiters werden zusätzliche weitere Skiabfahrten in derzeit unberührtem Waldgebiet in Umsetzung gebracht und für das Mega-Bergrestaurant "Lumberjack" sollte zudem ein Personalkomplex mit angeschlossenen Appartements/Chalets und 13 Wohnstudios für gesamt rund 100 Betten errichtet werden.

All diese massiven Veränderungen in die natürlichen Lebensräume und die Versiegelung natürlicher Bodenbeschaffenheiten verschlechtern den Hochwasserschutz, begünstigen die Bodenerosionen und sind insbesondere in der derzeitigen Situation absolut unverständlich. Die Tourismus-Branche profitiert in besonderem Ausmaß von den derzeitigen staatlichen Fördermaßnahmen und Sondermaßnahmen der Bundesregierung. Einerseits werden aufgrund einer
propagierten wirtschaftlich schwierigen Situation gerne Förderungen und Stundungen zulasten der Allgemeinheit entgegengenommen und andererseits ist offensichtlich ausreichend Kapital für eine rege Bautätigkeit und Investitionen vorhanden. Eine verantwortliche Unternehmensführung mit der Bildung von ausreichend Eigenkapital zur eigenständigen Überwindung etwaiger Krisenzeiten ist
offenkundig kein Bestreben dieser Branche. Diese Verschlechterungen - bedingt durch offensichtliches Versagen der öffentlichen Institutionen - treten zulasten der Allgemeinheit, eben durch unverantwortliche Bebauungen und Rodungen und in
Summe Bodenversiegelungen und dadurch erhöhte Hochwassergefahr in unseren sensiblen Berggebieten ein.

Das Lobbying der Tourismus-Branche scheint in Österreich bestens zu funktionieren, eine verantwortliche Haltung dieser Branche ist jedoch leider stark zu vermissen. Zur Untermauerung noch eine kleiner punktueller Auszug aus einem Widmungs- und
Genehmigungsverfahren für oben genanntes Großprojekt (Bergrestaurant).

Auf Nachfrage der Behörde (Landesregierung) warum das vorliegende Projekt ein derart riesiges Ausmaß (Fläche rund 4000m2, rund 700 Sitzplätze) umfassen solle, besonders in einer derart exponierten Lage, ist die Beantwortung einer der im Pongau namhaften Tourismusgrößen (u. a mehrere Chalets, Bergbahnen …) wie folgt: Die Größe ist notwendig, da die Umsetzung eines Bio-/ und Vegan-Restaurants angedacht wird.

Diese Begründung ist wohl mehr als ausreichend gewesen, da es schlussendlich zu einer Genehmigung gekommen ist und sich das besagte Bergrestaurant für über 700 Sitzplätze sich im Bau befindet. Zusätzlich werden nunmehr durch dieselben unverantwortlichen Tourismusgrößen weitere Pistenflächen umgesetzt. Außerdem liegt derzeit ein weiteres touristische Großprojekt zum behördlichen Genehmigungsverfahren inkl. Personalwohnhaus in einem sensiblen Hochwasserbereich der Kleinarler Ache vor.

Als persönliche Meinung möchten wir abgeben, dass wir nur hoffen können, dass zumindest in diesem behördlichen Verfahren Vernunft einkehrt und auch das politische Versagen schnellstmöglich ein Ende findet. Die derzeitige politische Haltung zu Raumordnungszielen, dem geringen Bodenverbrauch als Ziel der
Alpenkonvention o. ä. sind leider nur leere Worthülsen und unterliegen der massiven Lobby zugunsten eines faktisch bereits jetzt vorliegenden "Overtourism". Wir hoffen auf Ihre unabhängigen Recherchen diesbezüglich und eine entsprechende
Berichterstattung, um für Ihre Leser eine sachdienliche, seriöse Informationsgrundlage zu diesem aktuellen Thema zu geben. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung und verbleiben,

Familie Schaidreiter, 5603 Kleinarl

Aufgerufen am 30.09.2020 um 12:22 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/unbegrenzter-touristischer-flaechenverbrauch-trotz-corona-92511106

Kommentare

Schlagzeilen