Leserbrief

Und dann kam Corona.

Bis vor kurzem war ich stolz, in einem Land wie Österreich leben zu dürfen - ein sicheres Land voller Freiheiten, einem funktionierendem Gesundheitssystem, genug Bildungsmöglichkeiten, einer vielseitigen Wirtschaft. Aber eben nur bis vor kurzem. Dann kam Corona.
Ich empfinde auch jetzt noch Erleichterung hier leben zu können, aber in all den einsamen Momenten im Home-Office, irgendwo zwischen Wut, Freude und Alleinsein, irgendwo zwischen Frustration und Rückenschmerzen, irgendwo zwischen Bildschirmschoner wegklicken und Erleichterung über die technischen Möglichkeiten, kommt Verzweiflung auf. Wut. Enttäuschung. Fühle ich mich entmündigt. Frage ich mich, ob nicht in einer Demokratie eigentlich auch das Volk mitbestimmen dürfte. Frage ich mich, für was alle Jahre Bildungsreformen erlassen werden und doch der Anteil einer kritisch denkenden Bevölkerung mit Hausverstand scheinbar mehr und mehr gegen Null geht. Aber woher auch - wie auch in einer guten Erziehung müsste so etwas ja aktiv vorgelebt werden.
Corona - und auf einmal bestimmt nicht das Volk, sondern es wird bestimmt. Gefühlt stündlich überfluten und neue Erlässe und Maßnahmen - ob selbst die Erlassenden noch wissen, was jetzt gilt und was nicht, wage ich zu bezweifeln. Maßnahmen, welche uns einschränken, uns unserer Freiheiten berauben, uns unsere sozialen Aktivitäten nehmen. Maßnahmen oder reine Willkür?
Vielleicht ist irgendwo etwas an mir vorübergegangen, habe ich etwas verpasst oder nicht gelernt, nicht gut genug zugehört, Aaber wir sprechen über die Vereinsamung, zunehmende Gewalt und Aggressionen in Familien, Arbeitslosigkeit, Einbruch der Wirtschaft und auch über die psychischen Auswirkungen dieser Pandemie und im selben Atemzug stehen wir kurz vor Lockdown Nummer Zwei. Mich, als mitbestimmender Teil unserer Demokratie, würde es freuen, wenn mir einmal einer der regierenden und Maßnahmen erlassenden Herren die Sinnhaftigkeit dahinter erklären könnte? Soll uns weisgemacht werden, dass der Virus bei Lockdown Nummer Zwei auf einmal Panik bekommt und Reißaus nimmt? Ich bin zwar durch und durch medizinischer Laie, aber so viel traue ich mich zu wissen behaupten, dass wir einfach lernen müssen, mit diesem Virus zu leben - es gibt kein Gegengift, keine flächendeckende weltweite Auslöschung des Virus aufgrund eines Lockdowns. Wieso müssen Millionen Menschen entmündigt, eingeschränkt, ihrer Freiheiten beraubt und wirtschaftlich zu Grunde gerichtet werden? Wieso wird nicht darüber gesprochen, dass trotz allem der Großteil diesen Virus ohne Symptome und Folgen überlebt? Wieso spricht kein Mensch über die alljährliche Sterberate der Grippetoten, über die Folgen und Toten durch jeglichen Drogenmissbrauch, über die Krebskranken? Wieso spricht keiner darüber, dass wir Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen viele Möglichkeiten nehmen, ihr Immunsystem zu stärken, indem das Ausüben vieler Sportarten drastisch beschränkt wurde, ist und wird? Wieso spricht keiner über die Vereinsamung von Menschen, alleine auf wenigen Quadratmetern, teilweise in Quarantäne aufs Minimum an Leben beschränkt? Und wieso spricht keiner darüber, dass wir einfach mit dem Virus leben lernen müssen?
Nein, man nimmt lieber dem Volk die Möglichkeiten zu leben, frei zu sein. Man lässt lieber kleine Unternehmen zu Grunde gehen, schlägt ihnen finanzielle Unterstützung aus, aber die Großen, die erhalten wir. Man nimmt jungen Menschen die Möglichkeiten, sich im Sport auszupowern und mit Gleichgesinnten Spaß zu haben. Man nimmt dem Volk jegliche Entscheidungsfreiheit. Und das im 21. Jahrhundert. In einer Demokratie. In einem freien Land wie Österreich. In dem es der regierende Teil des Volkes nun wieder einen Schritt weiter schafft, der restlichen Bevölkerung die Freiheiten zu nehmen. Ein Schritt weiter in Richtung ein entmündigtes, nicht mitdenkendes, unselbstständiges, aber leicht zu kontrollierbares Volk zu kreieren.

Katharina Mayer, 3300 Amstetten

Aufgerufen am 25.11.2020 um 11:31 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/und-dann-kam-corona-95005852

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