Leserbrief

Unfug!

Wenn Politiker sich gerne mit Nebensächlichkeiten bzw. Unnötigem befassen, dann ist der Zweck meistens eine gewünschte Medienpräsenz, das Ablenken von einem unangenehmen Thema und/oder das Ansprechen eines bestimmten Wählersegments. So ist es auch mit 140 km/h.
Der Leistungsbedarf eines Autos zur Überwindung des Rollreibungswiderstandes steigt proportional mit der Geschwindigkeit, der wesentlich größere Teil, die erforderliche Motorleistung zur Überwindung des Luftwiderstandes jedoch mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit.

Für einen mittleren PKW beträgt die Steigerung der erforderlichen Motorleistung bei einer Erhöhung der Geschwindigkeit von 130 km/h auf 140 km/h rund 22 Prozent. Dementsprechend steigen auch der Treibstoffverbrauch und der Schadstoff-Ausstoß, z.B.: 2,3 kg CO2 pro zusätzlichem Liter Benzin. Die Aufprallenergie im Falle eines Unfalles steigt um 16 Prozent.
Der theoretische Zeitgewinn auf einer 300 Kilometer langen Strecke wäre zehn Minuten, also in der Praxis ein lächerliches Nichts.

Ergebnis: kein Vorteil, nur Nachteile! Zweifelhafte Vergleichstests sind unnötig. Das Vorhaben widerspricht dem Regierungsprogramm zum Umweltschutz und dem Hausverstand. Es geht nur um Hofers Stimmenfangversuche bei den Gaspedal-Rittern. Diese fahren jetzt schon 140 bis 150 km/h, nach einer Erhöhung auf 140 km/h würden sie 150 bis 160 riskieren. Da auch ein irrender Minister sein Gesicht nicht verlieren will, wird er auf 140 km/h beharren und trotzdem sein Gesicht verlieren. Niemand kann jedoch gezwungen werden, einer gesetzlich erlaubten Dummheit zu folgen. Lassen wir der FPÖ doch den Erstanspruch auf den noch zu kreierenden salzburgischen Faschingsorden "Wider die praktische Vernunft".


Dr. Martin Gschwandtner, Hof bei Salzburg

Aufgerufen am 03.12.2020 um 09:22 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/unfug-62354887

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