Leserbrief

Ungleichgewicht im Gastgewerbe

Im kleinen Österreich gibt es 28 Tourismusschulen und in jedem Bundesland eine gastgewerbliche Berufsschule. Auch heuer wurden wieder hunderte fachlich bestens ausgebildete Absolventen in die heimische Arbeitswelt entlassen. Nur - sie kommen dort nicht an ...

Über 50.000 gastgewerbliche Betriebe suchen wie alljährlich fachlich gut ausgebildete Mitarbeiter für Küche und Service. Diese sind - solange ich mich erinnern kann - Mangelware. Die Aussichten auf Besserung sind hoffnungslos. In der Not hilft man sich mit arbeitswilligen Kräften aus Osteuropa und anderen Kontinenten. Fachliche und sprachliche Probleme gehören zum Alltag.

In den Tourismusschulen wird überwiegend auf Maturaniveau ausgebildet. Die Fachschulen mit dem Schwerpunkt auf der praktischen und handwerklichen Ausbildung sind nur eine verschwindend kleine Minderheit und kämpfen mit sinkenden Schülerzahlen. Ein Tourismusmaturant wird entweder mit einem Studium beginnen oder sich eine Stelle suchen, wo er sein Schulwissen einbringen und mit einem entsprechenden Gehalt und geregelten Arbeitsbedingungen rechnen kann. Nur in Ausnahmefällen wird er dem Gastgewerbe erhalten bleiben.

Der Trend weg vom eher handwerklichen Geschick wie Kochen und Servieren und hin zu mehr computerunterstützter Kopfarbeit ist unserer schnelllebigen Zeit geschuldet. Die Wirtschaftskammer bemüht sich zwar sehr, mit Weiterbildungsmöglichkeiten die Lehrberufe attraktiver zu machen. Diplome für Wein-, Bier- und Käsesommelier sind hilfreich, ersetzen aber weder den belastbaren, kreativen Koch, noch den flinken, geschickten und sprachgewandten Restaurantfachmann.


OSR Bruno Hinterwirth, 5630 Bad Hofgastein

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