Leserbrief

Ungleichstellung bei der Arbeitszeit

In der gegenwärtig geführten Diskussion im Zusammenhang mit der neu zulässigen, aber ohnedies nur bedingten und begrenzten Ausweitung der Tages- und Wochenarbeitszeit für Unselbstständige möchte ich auf einen Umstand hinweisen, der bisher gar nicht beachtet wurde.
Es ist dies die Ungleichstellung bei selbstständiger und unselbstständiger Tätigkeit. Den selbstständig erwerbstätigen Personen bleibt es der eigenen Entscheidung überlassen, an welchen und an wie vielen Wochentagen sowie zu welcher Tageszeit und wie viele Stunden pro Tag sie arbeiten bzw. tätig sein wollen. Für diesen Personenkreis gibt es somit keinerlei Einschränkungen, weder nach oben noch nach unten - und das ist gut so! Den unselbstständig erwerbstätigen Personen hingegen wird diese Entscheidungsfreiheit bisher zumeist verwehrt oder nur dann zugestanden, wenn sie in Teilzeit arbeiten wollen. Als ursprünglich 35 Jahre unselbstständig und dann ungefähr gleich lang selbstständig tätiger Mensch empfinde ich das als eine eklatante Ungleichstellung, die im Widerspruch zu dem anderweitig so strapazierten Gleichbehandlungsgrundsatz und zur persönlichen Entscheidungsfreiheit steht!
Die von politischen Gruppierungen im Parlament und bei Demonstrationen von Interessenvertretungen zur Schau gestellten Symbole mit durchgestrichenen Zahlen 12 und 60 interpretiere ich daher als erste Anzeichen eines Umdenkens, die gegebene Ungleichstellung aufzuheben und die Entscheidungsfreiheit auch den Unselbstständigen zu überlassen.

Johann Haiden Baumeister, 5101 Bergheim

Aufgerufen am 19.10.2019 um 06:45 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/ungleichstellung-bei-der-arbeitszeit-60986425

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