Leserbrief

Unmenschliche und kurzsichtige Politik

Kein Mensch auf dieser Erde kann sich das Land und die Familie aussuchen, in die er hineingeboren wird. Ich habe das Glück, in einem der reichsten und sichersten Länder, Österreich, leben zu dürfen.
Nicht so Menhaj, der als Jugendlicher vor dem Krieg in Afghanistan flüchtete und nun bereits das zweite Jahr erfolgreich als Kellnerlehrling in der "Weissen" arbeitet - zur vollsten Zufriedenheit seines Wirts Gustl Absmann. Nun droht ihm die Abschiebung.
Nicht nur in Salzburg, auch in Saalfelden und österreichweit sind viele gut integrierte Asylbewerber von dieser gefühllosen Politik betroffen. Gleichzeitig klagt die Wirtschaft über den Fachkräftemangel und junge Menschen, die arbeiten wollen, werden rücksichtslos abgeschoben.
Durch die Abschiebung wären zwei Jahre Integration, Deutsch lernen, Schulabschlüsse nachholen und Lehrlingsausbildung umsonst. Auch das Geld, das die Steuerzahler dafür aufgewendet haben, ist verloren. Als Katholikin stört mich dieses hartherzige Vorgehen. In der Bibel nach Matthäus 25,40 heißt es: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!" Ich hoffe und wünsche, dass Menhaj in unserem wohlhabenden Land nicht Opfer dieser unmenschlichen und wirtschaftlich kurzsichtigen Politik wird.

Gerlinde Bichler, Saalfelden

Aufgerufen am 17.11.2019 um 12:27 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/unmenschliche-und-kurzsichtige-politik-69929464

Schlagzeilen