Leserbrief

Unsichtbare Frauen

Zu "Die Welt ist für Männer gemacht" (Iris Burtscher, 13. 2.):

Ich fühle mich als Vollzeitmutter und Hausfrau schon lange unsichtbar. Meine tägliche Gratisarbeit ist nirgendwo erfasst, einen Stockerlplatz in der Altersarmut ist mir trotzdem gesichert. Die billigen Beschwichtigungsversuche, den größten Lohn darin zu erkennen, die Entwicklung der Kinder hautnah miterleben zu dürfen, sind ein Hohn, dann müssten nämlich alle karitativ Tätigen ehrenamtlich arbeiten. Man darf sich auch die Frage stellen, wie vielen Vätern es möglich wäre, im Vollerwerb tätig zu sein, wenn Frauen nicht einen Großteil der Kinder- und Hausarbeit übernehmen würden.
Und wer sich entschließt, länger zuhause zu bleiben als die Kinderbetreuungsmodelle und Karenzzeiten es vorsehen, ist gezwungen, sich mit dem Partner mitversichern zu lassen, ein erster Schritt, die Autonomie dieser Frauen zu schwächen und sie in eine wirtschaftliche Abhängigkeit zu drängen. Eine soziale Ungleichstellung, die es im Jahrhundert der Genderbewegung nicht geben dürfte.

Melanie Krispel-Bein (vierfache Mutter), 8354 Sankt Anna am Aigen

Aufgerufen am 18.09.2020 um 10:50 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/unsichtbare-frauen-83450308

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