Leserbrief

Unsinn Wasserstoff

Danke, Herr Stricker, dass in der Ausgabe vom 9.7. im Leitartikel und Ihrer Analyse den Sinn bzw. Unsinn von Wasserstoff in der Individualmobilität offen, klar und sauber erklären. Es gibt immer noch viele Menschen, die an die künftige Verwendung von Wasserstoff in PKW glauben bzw. auf diesen hoffen. Allein der Wirkungsgrad ist mit 30 Prozent denkbar schlecht. Als langjähriger Anwender und Betreiber von PV-Anlagen (unsere 400 kWp versorgen rechnerisch rund 80 Haushalt jährlich mit Strom) kann ich nur motivieren: Leute, baut Euch eine PV-Anlage, werdet unabhängiger und tragt damit zu weniger Kohle- und Atomstromproduktion sowie positiv zur Klimabilanz bei.

Die BEV (Batteriefahrzeuge) haben bei Einrechnung aller Faktoren bei weitem die bessere Klimabilanz, wird doch die Batterieherstellung immer sauberer und das Recycling immer besser. Nur zum Recycling kommen die Batterien lange nicht, da sie zuerst im Auto und dann als Homespeicher jahrelang gute Dienste tun werden. Ich habe nun über 80.000 km auf mein E-Auto in fünf Jahren gefahren und die Batteriekapazität ist bei 96 Prozent! Ich tanke fast ausschließlich Strom vom eigenen Dach (40kWp PV), fahre von A nach B mit rund einem Sechstel der Kosten eines Verbrenners und fahre dabei ohne jegliche Abgase, Versicherung minimal und Servicekosten minimal.

Über Wasserstoff in Autos - und nur grüner hat einen Sinn - werden wir leider (laut namhaften Wissenschaftlern und auch laut Herrn Stricker in der letzten Ausgabe) richtigerweise erst nachdenken können, wenn wir einen deutlichen Ökostromüberschuss haben. Da sind wir heute Jahrzehnte weit weg. Wollen wir dies bis 2050 haben, muss bei PV und Wind ordentlich was weitergehen. Mit den derzeitigen Förderhöhen wird's nicht gehen. Frau Minister Gewessler möchte ich sagen: "Was sich nicht in vernünftiger Zeit rechnet - und 12 bis 15 Jahre sind da zu lange - werden nur einzelne Individualisten tun. Und mit Ihren Sonntagsreden wird es Österreich bis 2030 nicht schaffen, 100 Prozent Ökostrom zu haben." Ich warte schon gespannt auf den im Juli angekündigten Entwurf des neuen Ökostromgesetzes.

Es wäre ganz einfach: Jegliche Milliardenförderung der Öl- und Atomlobby streichen und binnen weniger Jahres gäbe es nur mehr erneuerbare, ohne deren Förderung. Aber solange die Schäden der Verbrenner und Atomstromproduktion die Allgemeinheit tragen muss, herrscht keine Kostenwahrheit. Oder anders gesagt: Jedes t CO2 muss dem Verursacher etwas kosten, und da werden 100 Euro/t bei weitem nicht reichen.


Robert Gaubinger, 4710 St. Georgen

Aufgerufen am 22.01.2021 um 12:51 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/unsinn-wasserstoff-90129826

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