Leserbrief

Verantwortung für Gesprächsklima

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Preuner, ich habe anlässlich des an die Öffentlichkeit gelangten Mailverkehrs Ihres Büroleiters und Ihrer Reaktion auf die folgende Kritik entsetzt feststellen müssen, dass sowohl Sie als auch Ihr engster Mitarbeiter es an grundlegendsten Formen des Anstands und der Höflichkeit fehlen lassen.

Gewählte Mandatare bzw. öffentlich Bedienstete haben eine Vorbildfunktion für respektvolles Miteinander - auch und gerade bei Meinungsverschiedenheiten. Als Vorgesetzter aller Mitarbeiter/-innen des Magistrats haben Sie als Bürgermeister eine besondere Verantwortung für das Arbeits- und Gesprächsklima in der Verwaltung unserer Stadt. Ich ersuche Sie dringend, dieser Verantwortung in angemessener Art und Weise gerecht zu werden.

In der Sache selbst: Das Anliegen des Mitarbeiters eines städtischen Senior/-innen-Wohnhauses ist berechtigt, eine diesbezügliche Nachfrage völlig legitim. Die erwähnte "Corona-Prämie" hat ihren Ursprung in Aussagen der Bundesregierung und wurde im Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (Gesundheits-, Sozial- und Betreuungsbetriebe in privater bzw. gemeinnütziger Trägerschaft) umgesetzt. Zu Recht fragen sich die Kollegen/-innen in Gemeinde- oder Landeseinrichtungen, warum es hier zu einer Ungleichbehandlung kommt. Die Ursache für diese Ungleichbehandlung ist in der - politisch gewollten - Uneinheitlichkeit der Arbeitsbedingungen und Entlohnung im Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich zu finden. Bislang wurde nicht gewünscht, dass die Beschäftigten in diesem Bereich Vergleiche anstellen oder gar gemeinsam auftreten. Lohn- und Sozialdumping wird als kostensenkend gern gesehen.

Es ist hoch an der Zeit und völlig richtig, dass sich die Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich diese Praktiken nicht länger gefallen lassen. Von der hochmütigen Abkanzelung durch Mandatsträger und deren Mitarbeiter/-innen ganz zu schweigen.

Christoph Eschbacher,, Betriebsratsvorsitzender Lebenshilfe Salzburg gem. GmbH

Aufgerufen am 28.11.2020 um 09:42 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/verantwortung-fuer-gespraechsklima-92962228

Kommentare

Schlagzeilen