Leserbrief

Verkehrsplanung - Zeit für Verbesserungen

In Salzburg scheint sich was zu bewegen, wenn man den politischen Absichtsbekundungen und Medienberichten glauben darf. Der Obus und die Lokalbahn sollen der Salzburg AG weggenommen und von einer neuen Gesellschaft betrieben und geplant werden. Hoffentlich macht diese dann einen besseren Job als der Verkehrsverbund, der weder bei den Postbuslinien noch bei der S-Bahn wirklich Kompetenz beweist.

Als Besteller des Angebots durch Ausschreibungen sollte man doch wohl in der Lage sein, im 21. Jahrhundert dafür zu sorgen, dass auch der Regionalverkehr barrierefrei läuft und nicht die Hälfte der Fahrgäste nur einen Stehplatz hat. Warum gibt es im Bundesland Salzburg keine Niederflurbusse in der Region und - noch viel schlimmer - keine Gelenkfahrzeuge. Diese würden v. a. auf der massiv überlasteten Linie 150 nach Bad Ischl sofort Entlastung schaffen. Nicht einmal ein Stehplatz ist garantiert, wenn die "Kutschen" aus allen Nähten platzen. Aber man schafft es nicht. Von der fehlenden und unzulänglichen Kundeninformation spreche ich hier erst gar nicht. Da sind die städtischen Linien rund um Obus und Albus in allen Bereichen wesentlich besser organisiert.

Bei der beliebten S-Bahn sieht es ja - fernab eines immer noch fehlenden 30-Minuten-Takts nach Straßwalchen - bei den Kapazitäten auch nicht viel besser aus. Die Triebwagen Typ Talent 4023 (Talbot leichter Nahverkehrs-Triebwagen) mit nur 151 Sitzplätzen sind ja ganz nett, zur Hauptverkehrszeit aber notorisch überfüllt und gänzlich ungeeignet, den immer weiter steigenden Fahrgastzahlen gerecht zu werden. Warum schafft man es nicht, die Züge zu verlängern und als Doppeltraktion (Österreich: Tandem) zu führen? Das ist doch gerade der große Vorteil der Eisenbahn, hier auf Bedarf reagieren zu können. Stattdessen pfercht man die Fahrgäste in die zu kurzen Züge, wie die Flugreisenden in die überfüllte Obuslinie 2 (weil man partout keine Doppelgelenk-Obusse für Salzburg beschaffen will). Beim Obus wird dann argumentiert, es wären ja nur ein paar Minuten (darum dreht man ja auch die Heizung runter!?), aber im Zug steht man schon mal länger und die Reisegeschwindigkeit ist im Ernstfall auch wesentlich höher.

Es wird Zeit für ordentliche "Gefäße" zur richtigen, komfortablen und bedarfsorientierten Beförderung der Fahrgäste. Darüber sollte einmal diskutiert werden, statt immer nur auf dem Obus herumzureiten, dessen Linienführungen geändert werden sollen, um das Verkehrsproblem der Stadt zu lösen. Wenn es nur so einfach wäre. Viel Erfolg der neuen Verkehrsgesellschaft, die dem Verkehrsverbund dann hoffentlich zeigt, was Verkehrs- und Kapazitätsplanung wirklich bedeutet. Den Fahrgästen von Stadt und Land wäre es zu wünschen. Dem Fahrpersonal natürlich auch, das schließlich für das Leben der beförderten Menschen verantwortlich ist und mit den Fehlentscheidungen der diversen Gesellschaften und Verantwortlichen tagtäglich zu kämpfen hat.

Dipl.-Kfm. Sebastian Krackowizer, 82447 Spatzenhausen

Aufgerufen am 29.11.2021 um 03:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/verkehrsplanung-zeit-fuer-verbesserungen-84089857

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