Leserbrief

Verlorene Chancen zurückgewinnen

Zur Debatte, "ob man Vermögende stärker besteuern soll" möchte ich die Perspektive eines jungen Studenten der Ingenieurwissenschaften beisteuern. In den 25 Jahren meines Lebens hat sich einiges fundamental verändert. Die Zeit, in der man als Unternehmer mit einer guten Idee Geld verdienen konnte, sind leider vorbei. Will man heute in Davos dabei sein, muss man das Modell Uber anwenden. Das heißt, ich stelle nur eine Plattform zur Verfügung und überlasse anderen die eigentliche Arbeit. Darum hat AirBnB keine eigenen Hotels, Netflix kaum eigene Serien und Uber keine Taxis.

Selbst die Tech-Giganten wie Tesla und Apple scheinen ihre Innovationskraft eingebüßt zu haben. Der Stau in der Muskschen Röhre und die Hände ringenden Erklärungen, warum sich das neue iPhone überhaupt vom alten unterscheidet, zeugen davon. Die Superreichen von heute sind auch keine Millionäre, sie sind Milliardäre. Dabei bitte im Kopf behalten, dass drei Millionen Sekunden ungefähr ein Monat sind, drei Milliarden Sekunden aber über 90 Jahre.

Es geht also bei einer kräftigen Besteuerung dieser Vermögen nicht darum, mir die Welt zu machen wie sie mir gefällt, sondern die Verhältnisse und Chancen wieder zu gewinnen, die es gab, bevor Eva 1990 in den Apfel des Liberalismus biss.


Benedikt Neureiter, 8010 Graz

Aufgerufen am 18.05.2022 um 11:29 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/verlorene-chancen-zurueckgewinnen-115991563

Schlagzeilen