Leserbrief

Vermeiden wir Umbenennungen

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Benennung einer Straße nach Marko Feingold möchte ich auf die 2017 veröffentlichte Empfehlung des österreichischen Expertengremiums für geographische Namen (AKO) zur Benennung von Verkehrsflächen in Österreich verweisen (http://ortsnamen.at/wp-content/uploads/2018/02/

AKO-Empfehlung-Verkehrsfl%C3%A4chen.pdf). Sie folgt den Empfehlungen der Vereinten Nationen und rät zu einem sehr zurückhaltenden Umgang mit Gedenknamen (Straßen- und Platznamen nach Personen oder Ereignissen) sowie zu einem Vermeiden von Umbenennungen. Keinesfalls sollten gut eingeführte Namen (wie Staatsbrücke oder Churfürststraße in Salzburg) durch neue ersetzt werden. Denn das führt dazu, dass noch lange Zeit beide Namen nebeneinander im Gebrauch bleiben, was der Orientierungsfunktion von Namen abträglich ist.

Man sollte auch nicht nach dem Prinzip "Name sucht Straße", sondern "Straße sucht Namen" vorgehen. Es wird sich wohl einmal eine neue Verkehrsfläche finden, für die man einen Namen braucht - und es würde dann vielleicht auch die anzustrebende Interkalarfrist (Wartefrist seit dem Ableben des Namengebers) von fünf Jahren eingehalten werden können.

Und schließlich gäbe es auch noch andere Möglichkeiten der angemessenen Würdigung einer Person als eine Verkehrsfläche nach ihr zu benennen, z.B. eine Gedenktafel oder ein Denkmal.


Prof. Univ.-Doz. Dr. Peter Jordan, 1180 Wien

Aufgerufen am 30.09.2020 um 11:19 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/vermeiden-wir-umbenennungen-92549986

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