Leserbrief

Verständnis für die Reaktion der Franziskaner

Ich kann die Reaktion der Franziskaner verstehen. Dass die Stadtväter das Betteln ausgerechnet vor den Toren der Franziskanerkirche und vor dem Franziskanerkloster erlauben, einem Orden, der sich besonders der Armen und Obdachlosen annimmt, wirft schon ein Licht auf ihr Denken: "Naja, die Franziskaner, die werden das schon ertragen!"
Dass es sich bei den Bettlern um ähnliche Strukturen handelt wie bei der Mafia, dürfte wenigen bekannt sein. Warum dürfen sie nicht betteln vor dem Dom, vor der Kollegienkirche, auf dem Residenzplatz oder anderen Orten und Straßen der Altstadt? Warum ausgerechnet vor den Toren der Franziskaner?
Umso mehr bin ich überrascht von den Aussagen des Pfarrers von St. Veit i. Pongau, den ich sehr schätze, Alois Dürlinger, dem Vertreter der Erzdiözese, im ORF Interview am Montag, 19. 3. in "Salzburg Heute", der auf das Recht des Bettelns als Menschenrecht aufmerksam gemacht hat. Das ist gut und schön. Aber er hat mit seiner Aussage dem ganze Problem in Salzburg einen Bärendienst erwiesen: Ich erinnere ihn an ein bekanntes römisches Sprichwort: "Si tacuisses, philosophus manssises." zu deutsch: "Hättest du geschwiegen, wärest du ein Weiser geblieben."


Ernst Mühlbacher, Pfarrer, 5091 Unken

Aufgerufen am 19.10.2019 um 10:05 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/verstaendnis-fuer-die-reaktion-der-franziskaner-67535302

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