Leserbrief

Warum der Bauer so viel Gülle einsetzt

Sehr geehrter Herr Gantschnigg, in Ihrem Leserbrief vom 7. 3. ("Sag mir, wo die Blumen sind ...") kritisieren Sie eine geplante Änderung des Naturschutzgesetzes durch das Land, welche es den Bauern ermöglicht, auf ursprüngliche Naturschutzflächen Gülle auszubringen und somit das "Blumensterben" zu fördern. Als Landwirt würde ich mich, genauso wie Sie, über mehr Blumen auf unseren Wiesen erfreuen. Die Diskussion müsste meiner Meinung nach aber auf einer tiefer greifenden Ebene stattfinden.

Die Frage ist, warum muss der Landwirt auf einen Großteil der Wiesen unseres Landes mehrmals pro Jahr Gülle ausbringen? Die Antwort ist einfach. Wir leben in einer Zeit, in der Lebensmittel so günstig sind wie noch nie. Handelsketten zwingen Verarbeitungsbetriebe, wie Molkereien und Metzgereien, ihre Produkte billigstmöglich zu produzieren. Diese Verarbeitungsbetriebe geben diesen Preisdruck an uns Bauern weiter. Um unsere finanzielle Existenz zu sichern, bleibt uns nichts anderes übrig, als größtmögliche Erträge von unseren Wiesen zu erzielen und dies geht eben nur mit Düngung der Pflanzen.

Ein weiterer Punkt ist die gnadenlos unbedachte Verbauung unserer wertvollen Flächen. Bei weniger verfügbaren Wiesen und Feldern müssen gleichzeitig wir Bauern die ständig wachsende Bevölkerungszahl mit Lebensmitteln versorgen. Hier sollte endlich ein Umdenken in unserer Politik stattfinden, was leider so schnell nicht passieren wird, da mehr Betriebsansiedlungen und eine höhere Einwohnerzahl zu höheren Einnahmen der Gemeinden führen. Und das Bürgermeistergehalt richtet sich bekanntlich ja auch nach der Anzahl der Einwohner.

Die Änderung des Naturschutzgesetzes ist lediglich eine Konsequenz dieses Machtsystems.

Martin Feichtenschlager, Biolandwirt, 5212 Schneegattern

Aufgerufen am 18.10.2019 um 11:46 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/warum-der-bauer-so-viel-guelle-einsetzt-67433092

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