Leserbrief

Warum nicht gleich im Geschäft parken?

Replik auf den Leserbrief "Lebendige Stadt oder doch Museum?" von Mag. Dagmar Baumgartner (SN vom 22. 3.): Im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung eine Altstadtbuchhandlung zu übernehmen ist ein mutiger Schritt, der viel Geld kostet. Aber die charmante Buchhandlung Stierle zu erhalten war uns eine Herzensangelegenheit und jeden Euro wert.
Etwa 70 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden, der Rest findet uns spontan, darunter viele Touristen. Wenn nun ein großes, silbernes SUV tagelang Zentimeter vor unserer Auslage parkt und diese verdeckt, wenn die Autos vorm Geschäft so knapp stehen, dass man nicht einmal mehr zugehen kann, dann findet kein Laufkunde den Weg ins Geschäft. Da haben wir dann Pech gehabt.
Liebe Frau Mag. Dagmar Baumgartner, Sie schreiben, die Salzburger Altstadt würde immer mehr zum Museum verkommen und Geschäfte des täglichen Bedarfs würden fehlen. Dürfen wir Sie fragen: Was ist eine Buchhandlung Ihrer Wahrnehmung nach? Geschäft? Museum?
Für Sie wahrscheinlich in erster Linie ein Ärgernis, denn wir fordern: einen direkten Zugang von der Kaigasse, der auch mit Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl begehbar bzw. befahrbar ist; einen Fahrradständer vor dem Geschäft, unsere Kunden kommen in großer Zahl mit dem Rad; Platz für unsere beiden (genehmigten) Postkartenständer.
Wenn dies nicht möglich ist und es nicht gelingt, akzeptable Rahmenbedingungen für uns zu schaffen, dann muss ich die Buchhandlung mangels Wirtschaftlichkeit mit Jahresende schließen. In diesem Fall, Frau Baumgartner, werde ich das Fenster unserer Auslage entfernen und Sie ein Jahr exklusiv in unserem Geschäftslokal parken lassen. Wenn es mehr Parkplätze braucht, damit Salzburg nicht zum Museum wird, dann bin ich zu allem bereit!

Bernhard Helminger, Buchhandlung Stierle, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 02.12.2020 um 05:14 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/warum-nicht-gleich-im-geschaeft-parken-67900522

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