Leserbrief

Warum schaffen wir es nicht, Danke zu sagen?

Ich habe es satt und kann es nicht mehr hören: Das ständige Besserwissen rund um alle Coronamaßnahmen. Jede und jeder in den Talkshows, in den diversen Internetforen, auf Politiker- und Medizinerebene, ja sogar in der eigenen Familie ist plötzlich Experte und weiß genau, was alles falsch läuft (oft ohne anzugeben, wie es laufen sollte). Ja, ich bin auch für Fehleranalyse und genaues Benennen zum Zweck der zukünftigen Fehlervermeidung. Aber diese ständige Gereiztheit in sehr vielen Kommentaren ist mir zutiefst zuwider und in meinen Augen verzichtbar. Warum schaffen wir es nicht, das, trotz allem, vorhandene Positive zu sehen und darüber zu reden: dass sich so viele Forscher immens anstrengten, zur Zusammenarbeit bereit waren, um in Windeseile einen Impfstoff zu finden? Dass Ärzte, medizinisches Personal und auch politisch Verantwortliche sich bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit für unsere Gesundheit einsetzen? Dass ich, auch ohne Covid-Erkrankung, noch immer von einem Arzt behandelt werde, dass meine tägliche Versorgung mit allem Lebensnotwendigen noch bestens funktioniert, dass viele Menschen in der derzeitigen prekären finanziellen Lage Unterstützung erfahren, dass wir Pensionisten noch immer eine ungekürzte Pension auf unserem Konto vorfinden? "Danke" - das wäre derzeit ein angemessenes Wort. Und am Ende dieser schwierigen Zeit, in der so viele Entscheidungen ohne Vorbild getroffen werden mussten, werden wir alle vieles dazugelernt haben, wir werden uns auf ein höheres Erkenntnisniveau gearbeitet haben. Nur eine Gruppe wird auf ihrem derzeitigen Level stehen geblieben sein und nichts dazugelernt haben: die Gruppe der ewigen Besserwisser! Schade - für sie, aber auch für uns.

Brigitte Preisch, 5280 Braunau

Aufgerufen am 27.11.2021 um 08:40 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/warum-schaffen-wir-es-nicht-danke-zu-sagen-98290885

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