Leserbrief

Was der Sport uns geben sollte

Der Ball rollt nicht. Die Motoren röhren nicht. Keine Millionen-Transfers, nach mangelndem Erfolg entlassene Trainer, Frisör-Eskapaden vor Top-Spielen. Keine Rede mehr von Fanausschreitungen und Unsportlichkeiten.
Nichts. Der Sport steht still. Und in jener Stille ging Rennfahrer Stirling Moss, verstarb im Alter von 90 Jahren. Ein Fahrer aus jener Zeit, in der jedes Rennen das letzte sein konnte. Ein Fahrer aus jener Zeit, in der es nicht darum ging, wie hoch die Schätzungen von Fahrergehältern ausfielen, in der eine Szene nicht aus allen erdenklichen Kameraperspektiven bewertet wurde, um eine Strafe auszusprechen, das Regelbuch zu befolgen, einen Paragraphen zu zitieren. Ein Fahrer, oder vielmehr ein Gentleman der Rennstrecke.
Er selbst legte einst bei den Rennkommissaren ein gutes Wort für seinen vom Rennen disqualifizierten Hauptkonkurrenten Mike Hawthorn ein, in Kauf nehmend, seinen eigenen Ambitionen zu schaden, der Fairness halber. Stirling Moss wurde nicht Weltmeister. Am Ende fehlte ein einziger Punkt zum Titel. Der Sport steht still. Zeit zu überdenken, was wir vom Profisport eigentlich wollen und was nicht. Denn wir Fans treiben den Sport an, sind Teil davon, wenn seine Helden Geschichte schreiben. So wie Stirling Moss das einst tat.

Elisabeth Weinkamer, 5020 Salzburg

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