Leserbrief

Was wir endlich diskutieren sollten

Zum Leserbrief vom 24. 6. ("Zusammenlegung der Kassen"): Die Kritik geht in die falsche Richtung.
Ein paar Fakten:
1. Die Situation (Nicht-Bezahlung eines teuren Medikaments, zwei billigere Einzelsubstanzen aber schon) hat nichts mit der Kassenzusammenlegung zu tun, solche Fälle hat es auch früher gegeben.
2. Die Qualität der Medikamente hat nichts mit dem Preis zu tun, die Preispolitik der Konzerne orientiert sich vielfach am möglichen Gewinn (oft auch in der Naturmedizin).
3. Wer würde sich nicht wie die Krankenkassen 50 bis 70 Prozent der Kosten sparen wollen? Und es ist das Geld der Beitragszahler, also auch Ihr eigenes!)

Was wir dagegen in unserer Gesellschaft endlich (vermehrt) diskutieren sollten:
1. Wie kommen Kosten und Preis zustande und wer verdient wie viel wofür? Wo und unter welchen (Arbeits-, Umwelt-)Bedingungen wird produziert, wie werden Handel und Wirtschaft betrieben? Was ist z. B. mit den Dienstleistungen, Handelsangestellten, Krankenpflegepersonal (erinnere an Corona-"Beteuerungen") Sind die Gehälter gerecht?
2. Welchen Preis wollen wir wofür bezahlen und an welchen Kriterien soll sich die öffentliche Hand orientieren?
Wollen wir, dass es gleich weitergeht?

Für Änderungen aber brauchen wir keine einseitigen oder Fake-Infos (achten wir einmal darauf, wie viel Informationen eigentlich Werbung ist!), sondern gute, faktenbasierte Informationen, die wir zuerst einfordern und weitergeben, dann offen und breit diskutieren müssen. Auch brauchen wir eine Entscheidungskultur, die der Vielfalt der Meinungen gerecht wird.
Je mehr Menschen eine solche Gesinnung mittragen, umso eher kommen wir zu Ergebnissen, die auch mehr Gerechtigkeit bedeuten würden. Geht es uns darum?

Dr. Michael Riener, 5301 Eugendorf

Aufgerufen am 26.01.2021 um 07:06 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/was-wir-endlich-diskutieren-sollten-89645584

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