Leserbrief

Welche Zeichen setzt man hier?

Ungläubig verfolge ich die Ankündigungen über die geplanten Öffnungen von Senioren- und Pflegeheimen für Besuche.

Die Beobachtung europäischer Nachbarländer zeigt, dass Infektionen in diesen Einrichtungen maßgeblichen Anteil an der hohen Sterberate und Belastung des Gesundheitssystems haben. Österreich ist da keine Ausnahme, wie die Daten und Fakten im Lokalteil der SN zum Thema (27. 4. 2020) oder auch der Beitrag zur "Clusterbildung" in der ZIB1 vom 26. 4. 20 bestens veranschaulichen.

Nun werden Besuche bei Hochrisikogruppen früher möglich sein, als der Schulbesuch meiner Tochter, welche die Unterstufe besucht. Wir sollen steigende Infektionszahlen in Pflegeheimen in Kauf nehmen, um dann die Schulöffnung im Gegenzug um weitere Wochen zu verschieben. Wo liegen hier die Prioritäten?

Mir ist die psychologische Fragilität alter Menschen und Demenz-Patienten durchaus bekannt, doch wie steht's um die Psyche unserer Kinder nach fast sieben Wochen Separierung von Gleichaltrigen? Meiner Tochter stinkt's jedenfalls mittlerweile, dass keine "richtige Schule" ist. Muss man wirklich durch Muttertagsbesuche das durch die Konsequenz aller Österreicher Erreichte aufs Spiel setzen?


Ing. Erika Grosser, 5026 Salzburg

Aufgerufen am 28.11.2020 um 09:41 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/welche-zeichen-setzt-man-hier-86894833

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