Leserbrief

Wenn der Sohn kurz verloren geht

Am Freitag holte ich meine beiden Jungs (neun bzw. acht Jahre alt) für das übliche Besuchswochenende aus dem Burgenland ab, wo meine Ex-Frau jetzt lebt. Nach der Ankunft am Hauptbahnhof in Salzburg fuhren wir - es war schon gegen Abend - mit einem Regionalzug weiter nach Salzburg-Süd. Da der Ältere gerne ungestört liest (und sich prinzipiell von seinem Bruder gestört fühlt ...), setzte er sich im Zug, der zu diesem Zeitpunkt recht voll war - auf einen Sitzplatz, der etwas weiter entfernt von uns war.

Trotz meiner Warnung, das Aussteigen beim ersten Halt nicht zu übersehen, passierte leider genau das: Als ich mich auf die Suche nach ihm machte, setzte sich der Zug gerade wieder in Bewegung und ich konnte gerade noch sehen, wie er vergeblich auf den Knopf drückte, um die Tür zu öffnen. Ein sofortiger Anruf bei den ÖBB war sinnlos, denn ich blieb in der Folge geschlagene 20 Minuten in der Warteschleife hängen, bevor ich genervt aufgab - da war ich schon längst mit dem Auto unterwegs nach Hallein, in der Hoffnung, meinen Junior dort anzutreffen. Groß war dann die Aufregung bei der Ankunft am Bahnhof in Hallein, als ich ihn hier wider Erwarten nicht antraf.

Glücklicherweise kam dann aber gleich der erlösende Anruf von meiner Mutter, die ich inzwischen gebeten hatte, sicherheitshalber zur Station Salzburg-Süd zu gehen und dort zu warten.

Eine nette junge Dame (angeblich 18 Jahre alt) namens Lili, die in einer Bäckerei arbeitet, hatte offenbar das Missgeschick meines Sohnes mitbekommen und ihn von Hallein mit der S-Bahn wieder nach Salzburg-Süd begleitet, wo ihn die aufgeregte Oma in Empfang nahm, die so durcheinander war, dass sie die Retterin nicht einmal um ihre Telefonnummer fragte.

Ich möchte mich deshalb auf diesem Weg bei der so überaus hilfsbereiten jungen Dame auf das Herzlichste bedanken!

Stefan Maier, 5061 Elsbethen

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